Berichte von 03/2013

Ilha do Mel

26März2013

Am Wochenende bin ich mit vier Freunden auf die Ilha do Mel, Honiginsel, gefahren. Den fließenden Honig haben wir leider nicht gesehen aber dafür unendlich weite Strände und Naturschutzgebiete. Wir sind Samstag ganz entspannt zu dritt mit dem Auto bis zu einer Fähre gefahren, denn die Insel ist Autofrei. Mit einem kleinen Tuckerboot sind wir Mittags auf der Insel angekommen und haben die Pousada (Hostel) von zwei Freunden gesucht, die schon Freitag Morgen losgefahren sind. Dahin sind wir über einen kleinen, zugewachsenen und von Pousadas und Restaurants umgebenen Weg gelaufen und zum Glück hatten sie auch noch ein Zimmer für uns frei.

Die Insel ist etwa wie eine Acht geformt, der größere Teil ist komplett Naturschutzgebiet und da gibt es auch nichts bzw da kommt man auch nicht hin. An der Mitte der Acht liegt die Straße mit den Pousadas und an dem kleineren Ende sind wunderschöne Strände, ruhiges und aufbrausendes Meer und eine Grotte. Zu dieser sind wir dann aufgebrochen und zunächst ein wenig durch den Wald gelaufen bevor wir dann an drei Stränden, über Steinbrocken und einen Hügel zur Grotte gekommen sind. Eigetlich sollte das Ganze nur 40 Minuten laut Einheimischen dauern, doch alleine über diese Steinbrocken zu kommen hat schon eine gute halbe Stunde gedauert, da diese sehr weit auseinander sind und unterschiedlichen Höhen haben. Das Wetter war perfekt, sonnig mit Wind und leichten Wolken sodass es nie zu heiß war. 

An der Grotte angekommen waren wir ein wenig enttäuscht, denn diese ist wirklich klein. Ein kleiner Felseingang im Wasser. Mehr aber auch nicht. Nach einer kurzen Pause sind wir dann in die zweite Stadt, nahe bei der Grotte, gegangen und haben auf dem Rückweg nach dem überqueren der Steinbrocken eine große Pause am Strand gemacht. Da hat sich das Wetter schon wieder ein wenig zugezogen aber zum Schwimmen wurde man trotzdem nicht abgehalten! 

Zurück in dem Städtchen bei unserer Pousada haben wir die anderen zwei Jungs mit einem weiteren Freund getroffen und haben uns gemütlich fertig gemacht, ein wenig in der Hängematte gelegen bevor wir nach dem Abendessen an den Strand zusammen gegangen sind. Wir waren die einzigen und so war es herrlich ruhig und gemütlich. Ab 22 Uhr sollte eine Party in einer "Disko" stattfinden, doch die war ziemlich schlecht. Eine Band hat hauptsächlich schlecht gecovert Bob Marley gesungen, denn an dem Wochenende war auch eine Studentengruppe aus Amerika da, die total darauf abgegangen sind und so die band animiert haben zum weiter spielen. Wir haben uns dann irgendwann wieder zu unseren Hängematten begeben um wenig später ziemlich müde ins Bett zu gehen.

Sonntag hatten wir eine Delphin-Tour geplant. Am Abend zuvor kam nämlich noch ein Inselbewohner zu uns, den Anna schon vom letzten Mal kannte, der uns eine Tour angeredet hat und viele weitere spannende und unspannende Dinge. Ein echtes Verkaufstalent und er hat wirklich jeden Angesprochen. Doch leider hat es den kompletten Tag geregnet und somit ist auch die Tour aus irendwelchen zwielichtigen Gründen ausgefallen. Wir hatten uns unglaublich drauf gefreut, denn dort in der Nähe liegt das Liebesbecken der Delphine und somit ist einem die Sicht auf sie garantiert, doch vielleicht war es am Ende gar nicht so schlecht, denn das Wetter wurde nicht besser. So sind wir zurück in die Pousada, haben ein Spiel gespielt, sind dann noch Mal an den Strand wo Anna und zwei der Jungs gesurft sind und dann recht früh wieder mit der Fähre auf Land übergesetzt. So kamen wir recht früh abends in Curitiba an und ich wurde schon von selbstgemachter Pizza in meiner WG begrüßt.

Eine wirklich schöne Insel mit tolen Stränden, nur leider wollte das Wetter nicht so wie wir...

Umzug

25März2013

Donnerstag bin ich endlich in meine eigene WG gezogen. Sie liegt mitten im Zentrum, an einem Schoppingzenter, "Park", der aus einer 500 Meter Teerlaufbahn, einem Schwimmbad, Basketballplatz, Freiluftfitnesszentrum und ein wenig Grün besteht, mehreren Busstationen und 5-10 Minuten Fußweg bis zur Hauptstraße. Der Park liegt sozusagen zwischen der Wohnung der Mädels, wo ich bisher gewohnt habe, und meiner jetzigen. So habe ich den Umzug locker zu Fuß machen können. Auf dem Weg dahin, mit all meinem schweren Gepäck über Kopfsteinpflaster, hat mich auch gleich ein blder Vogel angeschissen. Ich hoffe das bringt Glück, so wie man sagt...

Als ich angekommen bin kam noch eine Putzfrau die mein Zimmer gesäubert hat und so konnte ich dann abends nach meinem Portugiesisch Kurs endlich auspacken und es mir "heimisch" machen. Endlich nicht mehr aus dem Koffer leben! Die ersten Tage mit meinen neuen Mitbewohnern waren auch sehr angenehm und ich spreche endlich auch in der Freizeit Portugiesisch! Meine neuen Mitbewohner sind ein Venezuelanisches Päärchen, die beide seit 5 Jahre in Curitiba leben, sie gerade ihren Master macht und er in einer Kochschule ist, eine Mexikanerin, die mit dem Venezuelaner in der Kochschule ist - das Beste daran ist, dass sie beiden immer üben müssen und so täglich für und herrlich kochen! - einem Brasilianer mit knallroten Haaren, den man für einen Iren halten könnte, der ein bisschen Deutsch kann da sein Opa Tscheche ist und ihm Deutsch beigebracht hat, tagsüber arbeitet und abends Philosophie studiert und noch einem Portugiesen, der hier nach Arbeit gesucht hat da der portugiesische Arbeitsmarkt gerade natürlich sehr schlecht ist, aber nicht fündig geworden ist (das ist hier sehr schwer, da die Brasilianer ihre Nationalität bevorzugen und ohne Kontakte geht auch nichts...). In einer Woche fliegt er aber wieder zurück und dann zieht Luana, die Hablbrasilianerin mit der ich auch bei den Mädels gewohnt habe, in das Zimmer. Das wird bestimmt eine lustige, interessante und gemischte Runde. Ich bin gespannt wie es weiter geht!

Cataratas do Iguaçu

20März2013

Heute morgen bin ich von einem fantastischen und überwältigenden 2 Tages Trip zu den Cataratas do Iguaçu wiedergekommen. Sonntag Nacht bin ich mit dem Nachtbus, die hier sehr bequem und komfortablen sind, etwa 10 Stunden nach Foz do Iguaçu gefahren und konnte ein wenig schlafen. Morgens habe ich dann ein vom Lonely Planet empfohlenes Hostel gesucht, die auch noch freie Betten hatten. Das Hostel war ein International Hostel und sehr cool, viele Internationale die man trifft und gut ausgestattet. Dort habe ich zunächst geduscht und auf Hanna, eine Freundin aus Passau mit der ich die Wasserfälle sehen wollte, gewartet. Als sie ankam waren wir echt froh, dass alles so gut geklappt haben und aus einer fixen Idee Wirklichkeit gewirden ist.

Wir haben mittags dann den Bus in den Nationalpark auf brasilianischer Seite genommen, der kleiner als der Argentinische ist, aber einen besseren Blick auf die Wasserfälle bietet. Und so war es wirklich. Wir hatten einen unglaublichen Panoramablick auf all die großen und kleinen Wasserfälle, die Seen und Wälder. Dort gibt es einen tollen Wanderweg, Trilha das Cataratas, den wir mit sehr weingen Touristen teilen mussten, sodass wir ganz viele schöne Fotos machen konnten. Es gibt mehrere Ausblickspunkte und am Ende des Wanderwegs einen Steg, der bis in die Mitte des Flusses führt sodass man von den Gewalten des stürzenden Wassers umgeben ist. Ein tolles und nasses Erlebnis! Danach sind wir einen Panoramaaufzug hochgefahren und hatten eine wunderschöne Sicht von oben auf die Wasserfälle. Nach einer kurzen Mittagspasue sind wir den anderweg zurückgelaufen und wieder aus dem Nationalpark rausgefahren.

In der Stadt haben wir einen Bus zu dem Dreiländereck Brasilien, Argentinien und Paraguay genommen, wo sich der Rio Paraná und der Rio Iguaçu vereinen. Die Busfahrt war relativ lang sodass wir erst gegen 19 Uhr dort ankamen und der Busfahrer so lieb war und auf uns gewartet hat, da es wohl nicht ganz ungefährlich dort ist, denn es gibt viele Überfälle und ist nicht besiedelt. Also sind wir nur kurz hingelaufen, haben ein paar Fotos gechossen, die Obelisken angeschaut, die auf jeder Landesseite das Dreieck markieren und sind zurück zum Bus. Abends waren wir ziemlich ausgelaugt von den langen Busfahrten und der Wanderung, sodass wir in einer coole Bar mit Livemusik lecker gegessen und einen Caipirinha getrunken haben.

Am nächsten Morgen sind wir mit einem Bus vom Hostel und einem deutschen Paar, die auch studieren, und einem Italiener nach Argentinien rüber gefahren. Die Passkontrolle hat ziemlich lange gedauert und das merkwürdige war, dass wir gar nicht aussteigen mussten sondern nur der Guide vom Hostel unsere Pässe vorgezeigt hat. Im Nationalpark angekommen haben wir einen Bootstrip ausgemacht und sind den Sendero Verde, einen kurzen Weg durch den Dschungel, zur Estación Cataratas gelaufen, von wo aus zwei Wanderwege mit traumhaften Ausblicken auf die Wasserfälle abgehen.

Zuerst sind wir den Circuito Superior gegangen, den oberen Rundweg, bei dem man an verschiedene einzelne Wasserfälle kommt und die Sicht von Oben auf das herunterfallende Wasser hat. Danach sind wir den Cirucito Inferior gelaufen, der etwas länger und spektakulärer ist, denn man sieht mehr Wasserfälle und von unten die Gewalten auf einen zufallen. Die Argentinische Seite war leider ziemlich voll, sodass wir manchmal auf ein tolles Foto warten mussten, aber wir haben sie alle bekommen. Die beiden Wanderwege sind nur so umgeben von Grün, Bäumen, Palmen und Pflanzen, sodass man sich wirklich in einem Nationalpark fühlt. Am Ende des Circuito Inferior gibt es ein kostenloses Boot auf die Isla San Martín, doch die war leider gesperrt, da der Fluss zu hohes Wasser momentan trägt.

Von dort ging auch unsere Bootstour los, die uns auf zwei Seiten der Insel zu den Wasserfällen führte. Zunächst wurde vor einem Wasserfall ein Fotostop gemacht und danach sind wir mit Vollspeed auf die andere Seite genau vor einen großen Wasserfall gefahren wo wir plitschnass geworden sind. Die Regenjacken haben so gar nichts genützt, denn das Wasser ist uns überall reingespritzt. Doch das war noch nicht alles, zurück auf der anderen Seite sind wir wirklich unter den Wasserfall gefahren, wer jetzt noch nicht nass war, war es dann!!! Ein irres Erlebnis wie die Wassermengen auf einen niederprasseln, nur die Augen öffnen ging nicht ganz so gut... Zurück am Steg trieften wir nur so, doch da es schön warm war, war dies nicht so schlimm. Wir haben erst Mal eine Mittagspause gemach um dann den spektakulärsten Teil zu besuchen.

Von dem Anfangsausgangspunkt sind wir einen ruhigen Weg entlang nach oben zu der Garganta do Diablo, dem Drachenhals, gelaufen. Auf dem Weg haben wir wunderschöne Schmetterlinge gesehen und sind am FLuss entlang gelaufen. Oben angekommen beginnt der Steg, der einen an ruhigen Inseln zum oberen Punkt der Wasserfälle bringt. An der Garganta beginnt der ruhige Fluss sich in reißende Wasserfälle zu verwandeln. 13.000m^3 Wasser pro Sekunde stürzen in 14 Wasserfällen in einem Halbkreis 90 Meter in die Tiefe. Das Getöse des Wassermassen dringt einem sofort in die Ohren, das aufkommende Wasser wird in die Luft geschleudert und spritzt einem ins Gesicht, die Regenbögen die im Wasser spielen und einfach der gesamte Anblick dieses atemberaubenden Naurwunders ist ein unbegreifliches Erlebnis!

Man kann die Wasserfälle und ihre Einzigartigkeit gar nicht in Bilder und Wirte fassen, aber ich hoffe ihr habt einen guten EIndruck bekommen können. Unten am Eingang wartete schon das deutsche Päärchen auf uns und verkündete, dass die sich gerade verlobt haben! Wir haben das zunächst gar nicht so begriffen, doch ihren Finger ziehrte ein schöner, dezenter Ring und sie war noch ganz rot im Gesicht... Unser Guide vom Hostel kam sogar pünktlich und hat uns zurück zum Hostel, Hanna netterweise zur Busstation auf argentinischer Seite, gebracht und Abends habe ich den Nachtbus zurück nach Curitiba genommen und bin glücklich und heil heute morgen um 7 Uhr angekommen.

Country Festival

17März2013

Gestern sind wir auf dem größten Country Festival mit 50.000 Besuchenr und für die Brasilianer dem größten Ereignis hier gewesen. Offizieller Beginn war um 19 Uhr sodass wir hier gegen 17 Uhr losgefahren sind und genau dann hat es angefangen zu schütten. Wir haben uns also unsere Regenjacken geschnappt und gehofft, dass es sich jetzt ausregnet und wenn wir ankommen vorbei ist. Die Busse waren voll mit Menschenmassen und an dem Messegelände, außerhalb der Stadt bzw am Stadtrand, ging gar nichts mehr. Überall standen Autos und Polizisten, Stau ohne Ende aber von überall tönte lautstark Musik und wurde getanzt. Wir waren um kurz vor 19 Uhr da und haben uns erst Mal direkt am Eingang in eine Art Zelt gestellt, da es immernoch regnete und haben unsere Schuhe ein wenig getrocknet. Nach längerem Soundcheck ging es dann gegen 19.45 los und es fing eine wohl nicht ganz so beliebte Band an. Insgesamt sollten 9 Bands performen: Im Sertanejo singen meistens 2 Männer, in engen Hosen, zusammen (außer Michel Telo und Gustavo Lima, die man in Deutschland kennt, singen alleine). Es hat immer eine Band eine halbe bis ganze Stunde gespielt, viel geredet wie toll Curitiba, wie hübsch alle Leute hier sind und was eine tolle Stimmung auf dem Festival herrscht. Danach fuhr auch für eine halbe bis ganze Stunde ein trio elétrico (ein Lastwagen, auf dem eine Band spielt und aus ohrenbetäubenden Lautsprechern die Musik dröhnt) durch die Masse und hat am Anfang mehr Stimmung als manche Band gemacht. Zum Glück hat es den ganzen Abend nicht mehr geregnet aber das Gelände war so plitschnass, dass es überall schlammig war. Wir haben viel getanzt und mitgesungen (Ich eher weniger :) ). Die Paarbörse war auch hier unbeschreiblich hoch und manche waren so hartnäckig, dass man echt Mühe hatte sie loszuwerden und ihnen zu signalisieren, dass man keine Lust zum Tanzen hat... Gegen Mitternacht kam eine Band, die nur alte Lieder gespielt hat, was die ganzen Brasilianer mitgröhlen konnten, aber absolute Stimmungskiller waren, da es meistens sehr ruhige Töne waren. Das hat uns echt runtergezogen, zumal die Füße anfingen zu schmerzen und man leicht durchfröstelt war durch die nassen Füße. Aber wir mussten auf eine Band warten, Jorge e Matheus, die die Mädels unglaublich gut  finden. Ich war schon so müde dass ich am liebsten gegangen wäre, besonders weil diese schlechte Band 1,5 Stunden performt hat und danach ja auch wieder erst Mal ein trio elétrico kam. Zum Glück kamen danach Jorge e Matheu und die Mädels haben sich so gefreut und wir haben noch Mal schön getanzt und Spaß gehabt. Um 3 Uhr sind wir dann nach Hause gefahren und waren alle froh unsere Füße hoch zu legen, habe aber Gustavo Lima dann nicht mehr miterlebt..

Es war ein teilweise lustiges, teilweise sehr gewöhnungsbedürftiges Event für mich, hat sich aber gelohnt und war eine Erfahrung! Noch Mal werde ich das aber nicht mehr mitmachen. Heute Nacht fahre ich nach Foz do Iguacu und treffe Hannah, eine Freundin aus Passau mit der ich mir Montag und Dienstad die Wasserfälle anschauen werde. Das wird ein Highlight!

Sertanejo

15März2013

Mittwoch waren wir feiern. Mein erstes Ausgeh-Erlebnis in Brasilien und es war auch noch eine Special Night. Alle Mädchen sind mit einem Ausdruck vor 12 Uhr umsonst reingekommen und die ganze Nacht gabe es Getränke 2 zum Preis für 1. So wurde es eine echt billige Nacht, da man hier unglaublich viel zahlen muss. Sogar in Bars zahlt man Eintritt, Jungs sogar immer das Doppelte und Getränke kosten genau so viel wie in Deutschlands Großstädte... Das House oder Electro Deutschlands heißt hier música sertaneja! Eine rhytmische Musikart, bei der man immer als Paar tanzt und am liebsten eng aneinander geschiegt. In Deutschland kennt man ja mittlerweile Gustavo Lima, der diese Musikrichtung singt. In den Clubs spielen immer Bands live, die dann all die Lieder covern. Ich wurde von den Mädels vorgewarnt: Wenn man einen Jungen länger als 3 Sekunden anschaut ist er innerhalb der nächsten halben Minute bei dir und denkt du willst was von ihm. Und nicht nur so ist es, auch wenn du keinen Blickkontakt suchst, kann innerhalb von 5 Sekunden ein Typ neben dir stehen und dich zum Tanz auffordern. Ich war zunächst etwas überfordert und habe versucht den Leuten zuzusehen um die Schritte hinzubekommen, aber wirklich schwer ist es nicht, vor allem wenn der Junge tanzen kann. Zwei Mal links, zwei Mal rechts mit ein wenig Hüftenwackeln und Drehungen, die mich teilweise an Friesenrock erinnert haben. So kam es, dass wir 4 Mädels, da wir ohne Begleitung da waren, ständig aufgefordert worden sind. Besonders Luana, eine Halbbrasilianerin, hat sich die Füße wund getanzt, aber auch ich habe mich nict ganz so schlecht gemacht :) Denke ich zumindest. Das Gute ist, dass man entweder sofort dankend ablehnen kann wenn man nicht tanzen oder nicht mit ihm tanzen möchte oder nach einem Lied obrigada sagt. Das nimmt einem eigentlich keiner übel und das ist hier normal. So kann man mit vielen verschiedenen tanzen oder aber auch mit einem, der es gut kann, etwas länger. An die Musik muss ich mich noch ein wenig zum feiern gehen gewöhnen, aber Samstag gehen wir hier auch zusammen auf das Festival sertaneja, wo all die berühmten Künstler live in Curitiba performen... 

Heute Morgen war ich mit Alex bei der Polícia Federal, bei der ich zunächst nur einen Termin für meine Visumsannahme ausmachen muss. Da musste ich wieder ein Märkchen ziehen und habe gewartet, bis ein Mann in einem unglaublich bösen Ton meine Nummer aufgerufen hat. Da denkt man sich hier teilweise echt, dass sie dich entweder sofort einsperren, rausschmeißen oder ablehnen wollen. Doch als ich ihm dann in meinem noch gebrochenen Portugiesisch erklärt habe, dass ich mein Visum gültig machen möchte, hat er non stop mit mir gescherzt, ob ich einen deutschen Dialekt spreche, Spanisch, Englisch, Französisch kann und so weiter. In seinem Terminkalender hat er dann nur einen Termin für den 16.4. gefunden da wohl momentan sehr viele hier her kommen. Unglaublich lange hin, da habe ich erst mal sofort gefragt, ob ich eine Strafe zahlen muss (denn man muss innerhalb von 4 Wochen sein Visum haben) aber zum Glück gelten die 4 Wochen nur für das erste Erscheinen. Auf einem Zettel hat er mir gezeigt, was ich alles mitbringen muss, von Wohnungsnachweis, Licht/Wasser/Strom Rechnungen über sämtliche andere Kopien und Passbilder. Das ist hier schon auch alles etwas komplizierter, alleine dass man nicht wie üblich am Flughafen sein Visum bekommt und erst nur vorbei schauen muss um einen Termin zu vereinbaren...

Seit 3 Tagen ist es hier so grau, dass ich manchmal denke, neue Grautöne zu entdecken. Das Wetter erinnert mich gerade an den deutschen Winter, nur dass es warm ist und nicht schneit sondern regnet bis hin zu unglaublichen Platzregen, dass man den Schirm gar nicht braucht da er nichts bringt und sich eigentlich auch nicht duschen braucht. Außer wenn man dann durchnässt 3 Stunden ind er Portugiesisch Stunde sitzt und zu frösteln anfängt, da die Ventilatoren auf volle Power gestellt sind.

Heute Abend wurden wir von meiner neuen WG zum Hamburger Essen eingeladen, die ein Freund oder Mitbewohner (das habe ich noch nicht ganz raus) der Koch ist für uns macht! Luana zieht auch mit mir in die Wohnung, sodass das bestimmt ein nettes Zusammenleben wird! Da haben wir richtiges Glück.

Glückstreffer

13März2013

Vor zwei Tagen ist Alex netterweise mit mir in die Stadt gegangen um mich in der Uni einzuschreiben und einen CPF zu beantragen. Ein CPF ist die brasilianische Steuernummer, die jeder hier braucht um Mietverträge, andere Verträge wie Handyverträge, Ratenkäufe, ein Bankkonto zu eröffnen etc braucht. Dazu mussten wir zunächst zur Post gehen um dort den Antrag auszufüllen mit dem man dann zum Haushaltsministerium geht um den CPF ausgehändigt zu bekommen. Wir mussten natürlich eine Nummer ziehen und warten, bis wir an der Reihe waren. Alle Stühle waren voll und von den 20 Schaltern waren 5 besetzt wovon wiederum einer der Angestellten mit dem Handy spielte oder redete. Typisch brasilianisch- wir mussten eine Ewigkeit warten. Hier in Brasilien gibt es immer eine Stuhlgruppe/Reihe für alte Menschen, Schwangere und Behinderte und da wir sonst keinen Platz bekommen haben, es aber auch nicht expliziet an den Stühlen stand, für wen die gedacht sind, haben wir uns dahin gesetzt und irgendwann kam ein Mann und hat extra einen neuen Schalter für einen anderen älteren Herrn und uns geöffnet. So hatten wir Glück und waren nach einer Stunde mit dem Antrag in der Hand durch die Tür. Für alle administrativen Angelegenheiten werde immer die kompletten Namen der Eltern benötigt, wahrscheinlich weil hier so viele Leute gleiche Namen und vorallem Nachnamen haben, sodass ich ein Dokument mit den Namen meiner Eltern mitbringen musste, ohne das einem nichts ausgestellt wird. Einige der anderen Deutschen hier haben z.B. den zweit- oder dritt-Namen der Mutter/des Vaters vergessen beim Konsulat anzugeben und bekommen hier ihr Visum nicht bestätigt, da ihnen nicht geglaubt wird, dass es ihre Eltern sind....

Um 14 Uhr sind wir dann weiter zu meiner Uni gelaufen um mit der Beauftragten der Austauschstudenten (Elisa) zu reden, wann und wie ich mich einschreiben kann, wie ich meinen Stundenplan zusammenstelle und den Protugiesischkurs für Ausländer beginnen kann. Sie ist sehr freundlich und zuvorkommend und hat mir direkt alles organisiert. Einschreiben kann ich mich erst ab nächster Woche, da gerade noch die letzte Vorlesungswoche hier stattfindet, und brauche auch dafür das CPF. Danach hat sie mir den Stundenplan meines Kurses, ciencias sociais, ausgedruckt und gesagt, dass ich aber jeden beliebigen Kurs dazu wählen kann, so wie es mein Plan ist: eine Vorlesung in Literaturwissenschaften und eine in Kunstgeschichte. Morgen habe ich einen Termin mit meiner Beauftragten und werde den Stundenplan mit ihr zusammenstellen, ich hoffe das klappt alles auch so gut. Am Ende ist Elisa dann noch mit uns zum CELIN, dem Sprachenzentrum, gegangen und hat mich dort der Beauftragten vorgestellt mit der ich dann ein wenig gequatscht habe um zu sehen, welches Niveau ich bin. Sie hat mich ein wenig gefragt, wo ich herkomme und seit wann ich Portugiesisch lerne und als ich ihr erzählt habe, dass ich in Passau studiere war sie ganz begeistert, da sie meine Portugiesischlehrerin kennt und wusste, dass sie auch unser Lehrbuch geschrieben hat. Klein ist die Welt... Wir bekommen 4 Monate, 5 Tage die Woche a drei Stunden umsonst den Kurs mit Materialien angeboten was unglaublich toll ist um optimal in die Sprache zu kommen. Gestern hatte ich dann meine erste Stunden.

Auf dem Rückweg sind wir dann am Haushaltsministerum vorbeigekommen und durften uns auch da wieder ein Märkchen ziehen und dort hat es wirklich Ewigkeiten gedauert, doch als wir dann endlich dran waren hat er mir den CPF sofort ausgedruckt und jetzt bin ich eine "stolze" Besitzerin dieser Papierkarte.

Gestern Morgen habe ich mir die erste Wohnung hier angeschaut, die sehr weit weg liegt und ich somit jeden Tag mit dem Bus oder Taxi fahren müsste und zudem sollte die für nur ein Bett und Schrank, allerdings mit eigenem Bad, etwa 400 Euro kosten. Da habe ich schon etwas geschluckt, doch hatte mal einen guten Anhaltspunkt für die weiteren Besichtigungen.

Um 14 Uhr hat dann mein Portugiesischkurs begonnen. Wir sind etwa 12 Schüler, die Hälfte davon Asiaten, eine Amerikanerin, 3 Franzosen, ein Türke, ein Kanadier, ein Norwege und ich. Recht bunt gemischt von Austauschstudenten bis hin zu Erwachsenen, die nur Portugiesisch lernen wollen. Ich bin im Pre-Intermediado, also Vorstufe vom mittleren Niveau und komme absolut gut mit. Gestern haben wir auch nichts Neues für mich gemacht. Man hat anscheinend zwei Lehrer und die gestrige war sehr nett und hat gut verständlich gesprochen. Der Kurs geht bis 17 Uhr, mit einer Pause von 20-30 Minuten in between plus Hausaufgaben. Da werde ich also einiges lernen können!

Abends hatte ich dann noch eine Wohnungsbesichtigung und war erst Mal ein wenig überrumpelt, da ich die mit zwei Französinnen hatte, die schon seit einem halben Jahr hier in Curitiba sind. Doch dann hat sich rausgestellt, dass es 3 Zimmer zu vergeben gibt und die Besitzerin und potentielle Mitbewohnerin hat uns durch eine unglaublich große Wohnung geführt. Zuerst kommt man in ein riesen Wohnzimmer, was etwas trist eingerichtet ist, über eine große Küche, Waschküche, 3 Badezimmer zu den Zimmern. Insgesamt gibt es 5 Zimmer, 3 werden jetzt frei. Ein Zimmer ist eher eine kleine Kammer als ein Zimmer mit Bett und Schrank direkt aneinander und die beiden anderen sind sehr gerumig doch nur eins hat einen Schreibtisch noch dazu. Den brauche ich ja auch!! Nach der Besichtigung haben wir uns dann noch kurz zusammen gesetzt und viel mitreden konnte ich erst Mal nicht, da sich die anderen über Städte und Plätze und Straßen hier unterhalten haben, die ich noch nicht kenne. Recht bald mussten die beiden Französinnen gehen und ich wollte eigentlich auch los um den Hausschlüssel für die Wohnung noch zu bekommen, da die Mädels Uni hatten, doc bin noch kurz alleine geblieben um ihr zu sagen, dass ich wenn das große Zimmer mit dem Schreibtisch gerne hätte. Und siehe da, sie war sofort begeistert, wir sind noch Mal ins Zimmer gegangen und haben uns verquatscht und da die beiden Französinnen auch unbedingt zusammen wohnen wollen aber noch andere Wohnungen anschauen hat sie mir sofort zugesagt, da es bei mir sicher war! Unfassbar, direkt etwas gefunden, was mir gefällt, eine top Lage hat (auch direkt gegenüber von den Mädels wo ich jetzt wohne), im Zentrum, groß und mit bisher netten Leutenist! Sonst kann man wohl auch bis zu einen Monat nicht fündig werden, was absolut normal ist... Dann kam noch ihr Freund und wir haben zusammen Kaffe getrunken, Sandwiches gegessen und mit zwei anderen Mitbewohnern, die jetzt aber beide ausziehen, gequatscht. Am Ende war ich bis 21 Uhr bei ihnen und wir haben uns non stop unterhalten. Die beiden haben mich dann noch zu "meiner" jetzigen Wohnung begleitet und nächsten Donnerstag kann ich einziehen!! Optimal!!

Über Stock und Stein

10März2013

Gestern sind wir extra früh aufgestanden um eine Wanderung in der Nähe von Curitiba in einem Nationalschutzgebiet zu machen, doch bis wir mit dem Bus da waren, war es auch schon wieder 11.30 Uhr. Geordnete Buszeiten gibt es hier nicht, man weiss nur dass alle halbe Stunde ein Bus fährt, doch das ist auch nur eine Auskunft. Der Bus war voll mit einer Gruppe von Jugendlichen die dort campen wollten und fröhlich ihre Alkoholflaschen umhergereicht, gesungen und beim Umsteigen das erste Gras geraucht haben, so läuft das hier wohl immer bei den Campern. Die Lautstärke übertönte jedes Gespräch doch wir hatten ja genug Zeit auf unserem 6 Stündigen Trip. 

Angekommen am Caminho do Itupava, in der Serra do Mar, mussten wir uns erst Mal registrieren, falls etwas passiert oder jemand nicht wiederkommt. Unser Ziel war ein Wasserfall auf 1/3 der Strecke, von dem aus wir dann wieder zurück gehen wollten, für den kompletten Weg waren wir schon viel zu spät unterwegs. Der erste Abschnitt ging Bergauf, mal im Schatten der großen Bäume, mal in der knallen Sonne. Nach einer halben Stunde waren wir schon Schweissnass und wollten jetzt schon in den Wasserfall springen. Doch das dauerte... Der Weg war wunderschön, mit riesigen Bäumen umgeben, Bromelien und Orchideen, vielfarbigen Schmetterlingen, Vögeln und kleinen Bächen. Der Anfang führte an einer kleinen Höhle vorbei, zunächst über Waldboden, bis dann der restliche Teil Bergab über nasse Steine ging. Da mussten wir schon einige Male aufpassen nicht auszurutschen und jeder ist mindestens ein Mal in ein Schlammloch getappt. Einige eher improvisierte Brücken halfen über die Bäche und Abgründe, am Ende sind wir an einem alten Kolonialhaus, welches komplett verfallen war, und an Gleisen entlang zum Wasserfall gekommen. Da waren 3 Stunden um und wir heilfroh die Füße in das eiskalte Wasser zu stecken und unseren Lunch zu essen. Eine Familie und andere Jugendgruppe war auch da und einige waren Baden und sind von den Steinvorsprüngen in das Wasser gesprungen. Leider waren da schon so viele Wolken aufgezogen, dass es doch schnell frisch wurde. 

Der Rückweg war der gleiche doch pünklich bei unserem Aufbruch hat es angefangen zu Schütten und gewittern. Wir waren sofort triefnass, hatten einen Swimmingpool in den Schuhen doch zum Glück war es dadurch angenehm von der Temperatur zurück zu laufen. Der Steinweg gin viel schneller doch am Ende war es dann schön schlammig und rutschig. Um 18 Uhr waren wir wieder bei der Abmeldung und unser Bus kam direkt, richtiges Glück. Doch wir waren sofort durchgefrohren in unseren nassen Klamotten, in dem zugigen Bus und unserer Müdigkeit. Nach 1,5 Stunden waren wir wieder in Curitiba und sind direkt nach Hause gegangen um eine hieße Dusche zu nehmen, einen Tee zu trinken, was warmes zu essen und nur noch aufs Sofa zu fallen und eine Telenovela zu schauen- typisch Brasiliaisch :) Viel verstanden habe ich noch nicht, aber am Ende hatte ich schon einen ganz guten Durchblick.

Heute waren wir auf einem sehr schönen und großen Artesania Markt im Centro Histórico, der sehr voll und bunt war. Wir sind gemütlich drüber geschlendert und haben uns die schönen Sachen angeschaut, was gegessen und getrunken und wieder mal in der Sonne gebrutzelt. Nachmittags sind wir zu einem Churrasco, brasilianisches BBQ, gegangen was so gut wie den ganzen Tag dauern kann. Es wird immer nur ein Fleisch, Brot, Kartoffel oder ähnliches auf den Grill gelegt, wenn es fertig wird in kleine Stücke geschnitten und jeder nimmt sich. Es wird eigentlich in der Zeit mehr getrunken and gegessen :) Eine brasiliansiche Spezialität musste ich heute probieren, bei der ich mich am Freitag noch geweigert habe: Hühnerherzen!!!!!!! Geschmeckt hat es nicht wirklich gut und auch nicht wirklich schlimm, Konsistenz ist auch in Ordnung aber alleine die Vorstellung..- das war mein erstes und letztes Mal höchst wahrscheinlich!! Wir haben dass im Hostel von befreundeten Jungs gemacht mit noch einem Kanadier, einer Amerikanerin, einer aus Curitiba und einem aus dem Amazonasgebiet. So war das eine ganz lustig gemischte Gruppe und es wurde von Portugiesisch auf Englisch auf Deutsch und wieder zurück gewechselt. Am Ende ist noch ein Amerikaner dazu gestoßen, der seit 21 Monaten mit einem Motorrad von Californien nach Alaska und von da bis nach Brasilien gedüst ist und noch lange nicht genug hat. NAch Europa geht es im Juni. Also ein sehr spannendes und volles Wochenende! 

Endlich angekommen

08März2013

Nach unendlichen Tagen der Vorbereitung und des Packens kam der Abflug dann doch ganz plötzlich... Der Flug sollte mit TAM gehen und so habe ich mich mit zwei Koffern mit 23 kg auf den Weg zum Flughafen gemacht und bei Lufthansa eingecheckt, da diese den TAM Flug ausführten. Da stand ich nun mit meinen Koffern, Backpack und dann hieß es nur ein Koffer ist gebucht, sodass wir noch einen Koffer aufzahlen mussten. Top Start.

Immerhin hatte ich einen komfortabelen Flug: 12 Stunden in Mitten einer französsichen Reisegruppe, die eine Kreuzfahrt planten, natürlich kein Wort Englisch konnten aber bei der Landung geklatscht haben wie verrückt. Ich hatte zum Glück zwei Plätze für mich und konnte so ein wenig schlafen! Die Pass- und Zollkontrolle in Rio de Janeiro ging ganz schnell und der Anschlussflug nach Curitiba klappte auch problemlos.

In Curitiba pünktlichst angekommen standen auch schon Alex und Tess da, die mich abgeholt haben. In einem luxuriösen Bus sind wir gleich ins Zentrum der Stadt gefahren zu der Wohnung von Tess und ihren Mitbewohnerinnen, bei denen ich die ersten zwei Wochen unterkommen kann. Alle waren sehr herzlich und offen und so kamen gleich noch zwei befreundete Jungs zum Kochen vorbei. Bei herrlichen 32 Grad haben wir uns dann entschlossen in den Jardim Botânico zu fahren und dort ein Wahrzeichen Curitibas - ein tropisches Gewächshaus und die Pinienbäume - anzusehen und gemütlich in der Sonne zu sitzen. Ein wunderschöner Park, mit verschiedensten Pflanzen, Wasserschildkröte und ganz vielen Joggern. 

Zum Abendessen gehen wir gleich auf einen Markt und kosten hoffentlich typisch brasilianisches Essen. Hier falle ich so gut wie überhaupt nicht auf, da die meisten Einheimischen europäische Wurzeln und somit helle Haut und Haare haben. Das macht es sehr angenehm und auch sonst soll die Stadt ungefährlich sein. Im Gegenteil - es ist eine unglaublich saubere und geordnete Stadt, mit wunderbar funktionierendem Bussystem und Taxis, die einen auch Nachts heil ans Ziel bringen. Ich bin gespannt auf das halbe Jahr in meiner neuen Heimat!