Berichte von 06/2013

Festa Junina

27Juni2013

Brasilien ist ja bekannt für seine Feierei und Lebensfreude. Ein weiteres Fest findet diesen Monat und ab und zu auch noch im Juli statt. Die "Festa Junina". Dabei ehren die Brasilianer den Heiligen Johannes, ein katholisches Fest was ursprünglich mit dem Sommer-/Winteranfang verknüpft war (und edamit einem großen Feuer). Die Räume werden geschmückt mit typischen Girlanden, Leuchtbällen und Lampions. Die Menschen ziehen traditionelle, meist ländliche, Kleidung an, Strohhüte, Hemden, die Frauen bunte Kleider, malen sich Sommersprossen ins Gesicht und flechten ihre Haare zu langen Zöpfen. Es wird Volksmusik und Folkloremusik gespielt, gesungen, Forró und Quadrille getanzt, gegessen - hauptsächlich sehr sehr süße Sachen wie caramellisierte Mandeln, Popkorn, verschiedene Kuchen, Schokolanden - und Quentao getrunken, eine Art Glühwein. Gestern war Festa Junina in dem Fitnesstudio, in dem ich Sport mache und als ich durch die Tür gegangen bin hat mich der Gerucht sofort in weihnachtliche Stimmung versetzt. Glühweingeruch über all. Das war schon irgendwie komisch. Dazu die Verkleidungen und música sertanejo.... Für die Kinder werden Spiele organisiert, die an Kindergeburtstag bei uns erinnern: Sackhüpfen, Eierlauf, einen Apfel mit dem Mund aus einem Wassereimer heben, Pferdekutsche und vieles mehr. Zum Schluss bekommen sie dann noch große Süßigkeitentüten. Ein festes Datum für die festa junina gibt es nicht, wie früher der Sommeranfang, sodass man so gut wie jeden Tag auf so ein Fest gehen könnte. 

Gestern Abend, nach ein paar Quentao bei einem sehr netten Gespräch mit einer Brasilianerin, die bald nach Deutschland zum Auslandssemester geht und seit 6 Jahren deutsch lernt, bin ich mit Luana und ihrer neuen Mitbewohnerin, Thais, ausgegangen. Nachdem ich erst Mal zum zweiten Mal diese Woche im Fahrstuhl stecken geblieben bin und er weder auf ging noch gefahren ist, habe ich ein Taxi genommen, bei dem von der Gangschaltung über die Sitze alles gequietscht hat. Mein schon etwas älterer Taxifahrer meinte direkt, das "Wood´s" sei super-conhecido, also super-bekannt. So kam ich an und war schon am Eingang sehr überrascht über den Club. Zwei riesen Kronleuchter kührten den Eingang, die Eintrittsschlange war unendlich lang und die Leute alle schicker und aus besserem Elternhaus. Die Mädels zogen mich direkt auf die Toilette, da die das Beste vom Wood´s sein sollte. Ich habe meinen Augen nicht getraut. Sehr edel und sauber, alles schön und gut, aber es gab dazu noch eine persönliche Friseuse, die einem kostenlos die Haare so gerichtet hat, wie man wollte, und zwei Make-up Artists, die einen kostenlos geschminkt haben. Dem entsprechend war die Schlange vor den Damen auch gut lang; die Brasilianerinnen bemühen sich ja bekanntlich sehr um ihr Aussehen! Ich musste direkt ein Foto machen, das konnte ich wirklich nicht glauben.

Es war rappelvoll, man konnte sich kaum umdrehen geschweige denn wirklich gut tanzen. Der Ellebogen war immer in irgendeinem Rücken doch die Stimmung war umso ausgelassener. Es kam música sertaneja und mittlerweile kenne ich auch viele Lieder und kann ein paar Wörter der Refrains mitsingen. Die Band hat etwas auf sich warten lassen, danach aber eine sehr lusitge Show abgezogen. Ein Tänzer war zunächst als Frau verkleidet, dann als Pharrao und hat unfassbar wild getanzt. Da hatten wir also sehr unseren Spaß!

Morgen Abend bekommen wir Besuch zum Abendessen und ich werde deutschen Glühwein machen, nicht den so süßen Quentao. Beim Einkaufen heute, als ich Kardamom gesucht und nicht gefunden habe (die meisten wissen hier gar nicht, was das ist), hat mich eine ältere Frau angesprochen und gefragt, wie ich den Quentao mache. Als ich ihr mein Rezept erklärt habe, kam sie schnell darauf, dass ich keine Brasilianerin bin und hat mir ihre Kindheitsgeschichte mit deutschen Nachbarn erzählt. SO zog sich meine Einkaufstour ein wenig in die Länge... 

Ein erster Erfolg

24Juni2013

Neben all den negativen Schlagzeilen über die Proteste erlebe ich hier durchaus weiterhin schöne Sachen. Wie meinen ersten Erfolg! Letzte Woche hatte ich meine erste Prüfung in Literaturwissenschaften. Da auf meinem Semesterplan steht, dass wir die erste Augustwoche ein Examen schreiben, und für das Datum letzte Woche eine Prüfung da stand, ging ich davon aus, dass es eine kleine Prüfung ist, die nicht viel zählt und eher zum Bilanzziehen für einen selber ist, wo man gerade steht. Und das Examen im August ist die richtige Abschlussklausur des Kurses. Pustekuchen. Hier läuft es komplett anders. Man schreibt zwei Prüfungen, die jeweils 100 % zählen, so wie die von letzter Woche. Ich war mehr als schockiert, denn ich hatte nicht wirklich viel gelernt. 10 Punkte ist das Maximum, was man erreichen kann. Mit 7 Punkten hat man direkt bestanden. Man muss also einen Durchschnitt von 7 Punkten aus den zwei Prüfungen haben und wenn man schlechter ist, kommt man in die Examswoche und darf eine dritte Prüfung schreiben, bei der man mindestens 5 Punkte haben muss. So kam ich also zur Prüfung und erfuhr, dass sie 100 % zählt. Ich war etwas nervös. Doch als ich die Klausur bekommen habe, fiel mir ein großer Stein vom Herzen. Es waren zwei Aufgaben zu einer Kurzgeschichte, die wir lesen mussten und nicht mit dem Lehrer analysiert haben. Wir mussten zwei Charaktere vergleichen und die Modernisierung Brasiliens an Hand einer weiteren Figur beschreiben. Hätte ich auf deutsch schreiben können, wäre ich in einer halben Stunde fertig gewesen. So brauchte ich ein wenig länger und hatte eher das Problem, dass mir Vokabular fehlte, um mich so auszudrücken, wie ich es gerne getan hätte. Recht zuversichtlich gab ich meine Klausur ab und meinte noch zum Lehrer, dass ich hoffe, er würde es verstehen. Da meinte er lachend, falls nicht, würde er nachfragen! Auf dem Weg aus dem Unigebäude redete ich mit einer Brasilianerin, die sich beschwerte, dass man so viel hätte nachdenken müssen bei der Prüfung. Da musste ich mir dann doch das Lachen verkneifen. Klar muss man das, besonders bei Literatur da jeder eine eigene Interpretation und Meinung hat und an einer Universität... So bekamen wir Donnerstag die Prüfung zurück und ich sah eine 8 auf meinem Blatt. Ich konnte es wirklich nicht fassen. Ich hatte so wenig dafür gemacht und bekomme eine wirklich gute Note! Da war ich doch ein wenig stolz...

Freitag, nachdem ich dass Fitnesstudio verlassen konnte und der Protest vorbeigezogen war, hat eine Freundin von mir aus dem Sprachkurs ihren Abschied gefeiert. Etwas undeutsch kam ich durch den Protest zu spät in die Bar und wir hatten einen wirklich netten interkulturellen Abend. Die meisten Freunde von uns sind leider nicht gekommen, dafür waren all ihre Mitbewohner da, die ich noch nicht kannte und zwei weitere deutsche Jungs. Es war sehr gemütlich und ich wurde gleich daraufhin für ein Churrasco am nächsten Tag eingeladen. So habe ich Samstag einen Salat vorbereitet und bin zu meiner Freundin Izabela in ihr Haus gegangen und sie und ihre Mitbewohner haben wirklich groß aufgetischt. Es war köstlich. Bei einem Wein haben wir uns noch das Fußballspiel Brasilien gegen Italien angeschaut und beschlossen, dass wir abends noch ausgehen wollten. So haben wir uns alle fertig gemacht und später wiedergetroffen, doch leider ist der Abend etwas anders verlaufen, als wir es uns erhofft hatten. In dem Sambaclub, in den wir gegangen sind, war nichts los sodass wir noch nach was anderem gesucht haben, aber irgendwie sollte es nicht sein. Sehr schade, denn Izabela war in ihrer Zeit nie beim Samba gewesen.

Diese Woche erging es mir irgendwie wie in einem Hotel Mama. Ich wurde ständig bekocht von meinen Mitbewohnern und ihren Eltern, mein Zimmer wurde geputzt, meine Wäsche gewaschen.... Also sehr angenehm, aber doch fühlte ich mich immer etwas unwohl, dass ich auf so viel eingeladen worden bin. Doch auch das ist eine kulturelle Erfahrung: Gastfreundschaft. Und nicht immer kleinkariert jeden Cent umdrehen, auch wenn man nicht sehr viel hat, wie es bei uns doch häufiger der Fall ist.

Die Protestwellen gehen weiter

23Juni2013

Seit ein paar Tagen sind die Proteste und Krawalle in Brasilien ja auch allgegenwärtig in den deutschen Nachrichten. Ich möchte mich erst mal ganz herzlich für all die besorgten Nachrichten bedanken und dass ihr an mich denkt. Mir geht es hier wirklich gut. Ich bekomme wenig mit von den Protesten, da ich mich auch von ihnen fernhalte. Man ist immer bestens informiert über den Zeitpunkt und Ort der Proteste, die ja mittlerweile täglich im ganzen Land geschehen. Selbst in der Uni werden schon Flyer ausgeteilt und die Leute zum mitmachen animiert. Natürlich ist es das Gesprächsthema Nummer eins, ich als Ausländerin werde auch immer wieder gefragt, was ich davon halte. Was soll ich sagen, ich mache nicht mit aber ich finde es gut, dass die Menschen für ihre Rechte kämpfen. In jeder Unterrichtsstunde wird mindestens 10 Minuten über die letzten oder bevorstehenden Demonstrationen geredet, manche werden sogar früher beendet, damit alle zu den Demonstrationen gehen können, auf der Straße liegen viele Schilder rum und letzte Woche habe ich sie zwei Mal deutlich miterlebt. Donnerstag Abend nach der Uni liefen vor mit eine ganze Menge Studenten, die zum Altbau der Uni gelaufen sind und sich dort mit anderen versammelt haben. Ich lief dahinter, mit ein wenig Abstand. Doch dass, was ich gesehen habe waren hoffnungsvolle, irgendwie fröhliche Menschen. Sie haben Gesungen, hatten Masken auf, Regenschirme in der Hand und haben "high five" mit den Polizisten/Sicherheitsleuten gemacht. Also alles andere als die Krawalle, die in den deutschen Nachrichten gezeigt werden. Freitag war ich dann beim Sport und auf einmal hieß es, sie müssen das Fitnessstudio schließen, weil die Demonstration auf der Hauptstraße davor entlang geht. So wurden die Lichter ausgemacht und die Türen verschlossen. So viele Menschen waren die Tage davor noch nicht auf der Straße. Wir haben aus den Fenstern geschaut, es wurden Fotos gemacht, die Leute haben immer wieder "Vem para rua", "Kommt auf die Straße" gerufen, hatten unzählige Plakate, Banner, Brasilienflaggen dabei und haben sich von dem fürchterlichem Regen nicht unterkriegen lassen. Alle hatten sich Plastiksäcke umgehängt, Regenschirme dabei gehabt.. Unglaublich. Eine halbe Stunde zogen die Massen an uns vorbei bis sie uns so gut wie passiert hatten. Aber in einer wirklich ausgelassenen Stimmung. Es versammeln sich alt und jung, rechts und links, und man spührt den Zusammenhalt und den Willensmut der Menschen. Natürlich stimmen auch die Bilder, die in den Nachrichten vorwiegend gezeigt werden. Plünderungen, brennende Autos, Auseinandersetzungen mit der Polizei. Doch diese spielen sich hauptsächlich in Sao Paulo und Rio den Janeiro ab, und dort wo der Confed Cup ausgetragen wird. Das sind meist kleine Gruppen die Gewalt anwenden, die werden auch von der Bevölkerung hier nicht gerne gesehen und unterstützt, doch klar passiert es immer wieder und es ist fürchterlich. In Curitiba ist es aber zum Glück noch nie so weit gekommen! Die Regierung bekommt es nicht in den Griff, auch wenn in Sao Paulo und Rio die Buspreiserhöhungen zurückgenommen worden sind, beruhigt es das Volk nicht. Klar, denn es geht längst nicht mehr um die 20 Centavos. Wie ich letztes Mal geschrieben habe, Korruption, schlechte Schul- und Krankensysteme, die teuren Großevents anstatt dessen, das Gesetzt zum Polizeistaat... Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis hier die Ruhe einkehrt und Dilma sollte schnell handeln.

Ein paar Bilder aus der letzten Woche bei Facebook, die ich ganz passend und schön fand:

 Aufruf in Curitba für den Protest am vergangenen Freitag

 "Die Jugend von 1968 helfen der Jugend von 2013"

 "Ein Brasilien für alle"

  Selbst Frankfurt hilft angeblich...

 und eine beliebte Fälschung: Stars mit einem Hilfsplakat wie hier Mark Zuckerberg

Das Lied der Proteste ist für viele: Don´t stop believing von Journey

Cade a Dilma?

18Juni2013

Wo ist Dilma? - Das ist ein Satz, den man in diesen Tagen hier sehr oft hört oder liest. Die wenigsten Brasilianer haben je in ihrem Leben demonstriert, oder eine Demonstration in Brasilien miterlebt. Das ändert sich seit gut zwei Wochen. Die Leute strömen in Scharen auf die Straßen, protestieren, erheben ihre Stimme. Und das ist gut so, denn die Brasilianer haben schon viel zu lange geschwiegen und die Korruption ertragen, die sich anscheinend doch nicht mit der Demokratisierung Brasiliens geändert hat. Die vorallem jungen Menschen erkennen jetzt ihre Rechte an, sind froh über die Aktivität ihrer Landsleute und dem "Outing" gegen die Regierung. Viele Freunde von mir hier sagen, es hat viel zu lange gedauert, bis man sich endlich auf die Straßen getraut hat. 

Das alles fing in Sao Paulo, der größten und einflussreichsten Stadt Brasiliens, mit Protesten gegen die Fahrtpreiserhöhung der Busse an. Eine Erhöhung von 3 Reais auf 3,20 Reais. 20 Centavos mehr. Für uns mag das wenig erscheinen, umgerechnet etwa 7 Cent mehr. Doch gerade in den großen Städten wie Sao Paulo, Rio de Janeiro oder auch Curitiba müssen die Leute oft zwei Busse nehmen um auf die Arbeit zu kommen und zwei, um wieder nach Hause zu kommen. Dann sind diese 20 Centavos auf einmal nicht mehr nur 20 Centavos, sondern 80, also fast ein Real. Und das jeden Tag ist doch viel, denn der Mindestlohn bleibt niedrig: 678  Reais = 230 Euro!!!! Wie ich auch schon festgestellt habe, ist Brasilien ein sehr teures Land. Lebensunterhaltungskosten sind hoch; Lebensmittel, Transport, Mieten sind schon vergleichbar mit europäischen Kosten. Und dann hat Brasilien auch noch irre hohe Steuersätze. 100 % auf Autos, Körperschaftssteuer mit Gewinnsozialabgabe 34 %, Einkommenssteuer bis 27,5 % und viele mehr. Seit dem 1.1.2013 hat Brasilien bereits 710 Milliarden Reais (244 Milliarden Euro) an Steuern eingenommen, doch kommt davon so gut wie nichts bei den Bürgern an. Gerade in Sao Paulo, einer 20 Millionen Stadt, ist das öffentliche Transportsystem sehr mangelhaft. Es gibt viel zu wenige Busse, sie fahren zu selten, die Netze sind schlecht ausgebaut. Da kann ich mich hier in Curitiba sehr glücklich schätzen, denn so ein gutes Verkehrssystem wie wir hier haben, findet man nicht noch Mal in Brasilien! Und jetzt sollen die Menschen 20 Centavos mehr zahlen, das System bleibt aber genauso schlecht... Irgendwie kein Wunder, dass die Leute da irgendwann die Schnauze voll haben.

Doch die Erhöhung der Fahrtpreise ist nur ein kleiner Aufhänger. Die wirklichen Proteste gehen gegen die hohen Kosten für die WM, die Olympiade und gegen ein Gesetzt, was verabscheidet werden soll. Die WM kostet Brasilien 33 Milliarden Reais (11,3 Milliarden Euro - im Vergleich, die WM in Deutschland kostete damals 1,38 Milliarden Euro), die Olympiade zusätzliche 26 Milliarden (9 Milliarden Euro). Die Kosten werden mehr und mehr in die Höhe getrieben, als zunächst vorhergesagt und leiden tut das Volk. Eine Nation die so Fußballverrückt ist, was hier zu jedermanns Leben dazugehört wie das schlagende Herz, ist gegen das Großevent in Brasilien. Vor den Stadien in denen gerade der Confed-Cup ausgetragen wird, protestieren sie gegen die Geldverschwendung und die Unmengen an schlecht gewirtschaftetem Geld. Anstatt in das Ausbildungs- und Gesundheitssystem zu inverstieren, verschwendet man das Geld in die Stadien. Und viele der Stadien werden vorraussichtlich nach der WM nie wieder so genutzt und leer stehen. Zudem steigen die Lebensunterhaltungskosten, mit Sicht auf die beiden Großevente noch mehr an. Die größte Zeitung hier, die Folha do Sao Paulo schreibt sehr richtig: "Was die Brasilianer umtreibt, ist der Verlust ihrer Kaufkraft mit der Inflation und die Unfähigkeit des Staates, konkrete Lösungen zu finden, was die Krise der Bereiche Gesundheit, Bildung, Sicherheit und Transport betrifft." 

Die Korruption der gegenwärtigen Politik ist der eigentliche Antrieb für viele Protestanten. Mit dem Gesetzesentwurf des PEC 37/2011 (Vorschlag der Abänderung der Verfassung) soll die Macht der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft genommen werden und so die Exklusivität der Ermittlungen für die Staats- und Zivilpolizei eingeführt werden. Dies sehen die Bürger als Angriff auf den demokratischen Rechtsstaat, eine Staatsanwaltschaft, die notwendig ist für die Demokratie. Viele sahen in Dilma eine Veränderung, eine Befreiung der Korruption, doch in diesen Tagen zeigt sich die Korruption wieder mehr denn je für die Demonstranten. Zwar wird Dilma nicht direkt attakiert und mit Korruption in Zusammenhang gebracht, doch denken viele, dass die Demokratie von der Korruption missbraucht wird. Und Dilma ist eben die Präsidentin... So kommen viele Probleme zusammen, aber am gravierendsten ist der Aufschrei gegen die Korruption, die Geldverschwendung und der Mangel eines ordentlichen Sozial-, Schul- und Krankensystems.

Das, was die Demonstrationen in Sao Paulo eigentlich in die Höhe und zu den großen Ausmaße im ganzen Land getrieben hat, ist die Gewalt. Die Polizei ist mit Tränengas und Gummigeschossen auf die Demonstraten losgegangen, viele wurden eingesperrt. Es sieht hier so wie in der Türkei auf den Straßen aus. Viele Menschen wurden schwer verletzt, getötet. Der kritischste Autor der Folha do Sao Paulo wurde von einem Gummigeschoss ins Auge getroffen, erblindete. Eine Studentin bekam ein Gummigeschoss ans Ohr, wurde taub. Eigentlich dürfen diese Geschosse nur auf den Körber gezielt werden, aber die überforderte Poizei zielte oft "daneben". So wurden viele junge Protestanten krawalltätig. Sie zertrümmern Banken, Ministerien, setzten Autos in Brand. Von Tag zu Tag werden neue Protestaktionen organisiert, von wem, weiss niemand. Alles geschieht über Facebook und Co. Das macht es einerseits für die Polizei und Regierung schwer, andererseits für die Demonstranten leicht. Jeden Tag sehe ich neue Bilder, Plakate, Aufrufe von brasiliansichen Freunden auf Facebook, jeden Tag starten neue Protestwellen in neuen Städten. Curitiba ist mittlerweile auch dabei. Gestern Abend versammelten sich die Menschen hier sowohl an der Uni als auch auf einem große öffentlichen Platz in der Stadtmitte, gemeinsam zogen sie durch die Straßen. Dabei wurde hier sogar der Regierungspalast gestürmt, Computer zerstört, Tische, Stühle, die Wände besprayt. Und es scheint noch lange nicht zu Ende zu sein...

Ich bin gespannt wie es weiter geht und werde euch auf dem Laufenden halten. Ein interessanter Artikel, der es ganz gut zusammenfasst ist der hier, wer Interesse hat sollte ihn lesen: http://www.spiegel.de/politik/ausland/massenproteste-in-brasilien-sind-aufstand-der-jungen-mittelschicht-a-906457.html

Dia dos namorados

12Juni2013

Heute ist hier Valentinstag. Und der erinnert mich an mein Bild vom Valentinstag in der USA. Seit Wochen hängen hier in den Kaufhäusern Plakate, Schilder, Rabatte, Angebote für den "Tag der Paare". Alles ist in rosa-rot geschmückt, überall hängen Herzchen und Fotos von verliebten Paaren. Seit Wochen sind wohl die Restaurants ausgebucht und es werden fleißig Geschenke gekauft. Ursprünglich wurde der Tag vor ca 20 Jahren erfunden, um die Wirtschaft anzukurbeln. Denn außer zu Jahresbeginn und -ende gab es für viele keinen Grund, einzukaufen. In unserem Sommer ist hier Winter, also hat eine Werbefirma aus Sao Paulo Werbung für einen "dia dos namorados" gemacht und das war so erfolgreich, dass er sich gehalten hat. 

Auf dem Platz vor meiner Uni waren lauter Herzluftballons heute, als ich auf dem Weg zu Portugiesisch war. Verrückt!!! Und im Unterricht haben wir dann auch die ersten 1,5 Stunden über den Tag der Paare/Valentinstag geredet. Wie es in unseren Ländern abläuft und wann, was man schenkt, wie man zusammen kommt, ob es da ein Ritual gibt oder eine bestimmte Vorgehensweise, dann hat unsere Lehrerin uns noch die wildesten Statistiken über Paarangelegenheiten gezeigt. Z.B. dass Paare, die sich online im Netzt kennenlernen durchschnittlich nach 18 Monaten heiraten, Paare die sich im echten Leben kennengelernt haben dagegen nach 41 Monaten heiraten...

Ein Kameruner aus meinem Kurs - diesen Monat habe ich zum Glück wieder Glück mit meinen beiden Lehrern, sehr nett und lustig! - hatte auch gestern bei der Vorstellungsrunde gleich erzählt, dass sein Portugiesisch nur so fließt, wenn er mit einer Frau redet, aber er sonst nicht perfekt sprechen kann. So fragte er uns, ob wir ein Mädchen kennen, die morgen (also heute) frei wäre mit der er sich treffen könnte, aber nicht zum reden, sondern nur zum "sein". Im Portugiesischen gibt es einen Ausdruck "ficar", der sowiel bedeutet wie nur den Tag verbringen, reden oder eben intim werden. Uns war klar, was er wollte. Den zweiten Lacher brachte er, als er mitten aus dem nichts im Unterricht laut zu einem aus dem Kongo meinte, dass er ihn auf ein Abendessen einladen würde, wenn er ein Mädchen wäre... Echt schräg! Mal sehen was wir mit dem noch so erleben werden!

Somit allen einen happy Valentinstag :)

Eine Venezuelanische Invasion

11Juni2013

Zur gleichen Zeit, als die beiden Chris mich besuchen kamen, fiel hier eine Horde Venezuelaner ein. Kattys Vater und Neffe, der 4-jährige Sohn ihrer Schwester, kamen zu Besuch, aber nicht nur die beiden, sondern zusätzlich lud sie noch die Verwandtschaft von Camilo, ihrem Exfreund, ein, bei uns zu schlafen. Das sind seine Mutter, sein Bruder und dessen Freundin. Im Ganzen hatten wir also 7 Beuscher zur gleichen Zeit. Nur wo alle schlafen sollten, hat sie nicht so bedacht, denn das Matratzenchaos ging los, wie ich schon berichtete.

Katty erzählte uns erst eine Woche bevor die Leute kamen, dass sie kommen. Und zwar nicht nur für ein oder zwei Wochen. Ihr Vater sollte ursprünglich einen Monat bleiben, um hier ein paar Reperatur- und Verschönerungsarbeiten in der Wohnung zu machen. Doch dann hieß es auf einmal, er bleibt für 3 Monate und kommt dann eventuell wieder. Das war doch ein Schock für uns. Der kleine Neffe, Sebastian, sollte für 2 Wochen kommen, dann von seiner Mutter abgeholt werden und zurück nach Venezuela reisen. Doch von Tag zu Tag ändert sich hier die länge der Verbleibe der Verwandten.

Camilos Mutter, eine sehr reizende Frau, sollte auch zunächst erst bis Mitte Juni bleiben, bleibt jetzt aber bis Anfang Juli. Sein Bruder und dessen Freundin sind aber wie erwartet, nach 2 Wochen wieder abgereist. So kehre letztes Wochenende ein wenig Ruhe hier ein. Außerdem war ich ja mit den beiden Jungs so gut wie nie zu Hause sondern auf Reisen, sodass wir das schlimmste wohl nicht mitbekommen haben. Denn da nicht genügend Betten zur Verfügung standen, haben sie alle kreuz und quer in unserem offenen Zimmer vor der Küche geschlafen. Und wie wir Katty kennen, so ist auch die ganze Familie. Man geht spät nachts ins Bett, steht aber auch frühestens um 12 Uhr auf. Das gab dann doch ab und zu Probleme mit Frühstücken, denn da konnten wir dann teilweise einfach keine Rücksiht mehr auf Ruhe nehmen. Das verrückteste Erlebnis für mich war, als sie alle nochmal zusammen am Samstag ausgegangen sind. Und zwar mit Vater! Man kam erst um 7 Uhr morgens, sturzbetrunekn, lautstark nach Hause und der Vater musste ins Bett gebracht werden, Katty genauso. Das Schnarchkonzert an dem Tag hielt bis 14 Uhr. Das würde mir mit meinen Eltern bestimmt nie passieren! Doch das sind wohl die Kulturunterschiede.

Jetzt sind die neuen Abreisedaten auf Anfang Juli für Kattys Vater und Camilos Mutter verschoben. Die beiden fliegen dann mit Camilo nach Venezuela, und ob der Vater dann wiederkommt, weiss ich noch nicht. Aber gut vorstellbar ist es! Sebastian bleibt noch. Seine Mutter kommt Ende Juni und der kleine wird am 1.7. 5 Jahre alt, sodass die Mutter da natürlich dabei sein möchte. Da habe ich mich über den Vater gewundert, warum er nicht kommt, oder ob sie vielleicht getrennt sind, wie das hier sehr oft der Fall ist. Doch es ist eine sehr traurige Greschichte. Der Vater war bei der Marine und wurde 5 Tage nach der Geburt von Sebastian ermordet. Niemand weiss so genau warum und von wem. War es die Regierung, einer vom Militär.... So kennt er seinen Vater nicht, musste ohne ihn all die Jahre aufwachsen. Doch die Schwester hat einen neuen Mann, mit ihm ein ein-jähriges Kind. Katty meint, er wäre nicht gut für sie. Er lässt Sebastian nicht in den Kindergarten und kümmert sich nicht um ihn, da er nicht sein Kind ist. Der Fokus liegt nur auf dem ein-jährigen Kind. Sebastian ist ein unglaublich lebensfrohes, intelligentes Kind. Was der alles weiss, ist unglaublich, ohne jemals in einem Kindergarten oder Schule gewesen zu sein. Er ist auch das offenste und selbstbewussteste Kind, was ich getroffen habe. Von Anfang an redet er auf die fremden Leute ein, erzählt ihnen alles was ihm gerade in den Sinn kommt und umarmt einen. Er fühlt sich so wohl bei uns, dass er gar nicht nach hause will. Er hatte kein einziges Mal Heimweh, hat kein einziges Mal geweint. Wenn er mit seiner Mutter sprechen soll, hat er manchmal keine Lust und sagt am Telefon nur ja, hmm, ok, gut und "ich arbeite gerade, ich habe keine Zeit" obwohl er gar ichts macht. Darauf meinte er dann zu uns, er hätte nur gescherzt, denn er wollte nicht mit ihre reden. Echt traurig. So möchte Katty versuchen, ihn bei sich zu behalten. Ihr Schwester ist wohl manchmal damit einverstanden, manchmal nicht so sehr. Nach dem Mord an Sebastians Vater war Katty 8 Monate bei ihrer Schwester und hat sich um Sebastian gekümmert, da es ihr so schlecht ging. So hat sie eine echte Mutterbindung zu dem Kleinen. 

So steht also in den Sternen, ob nur Sebastians Mutter kommt, ob sie noch mit dem anderen Kind kommt und/oder Mann. Der Mann lässt sie wohl nur nicht alleine mit dem gemeinsamen Kind, sodass das wahrscheinlichste ist, dass entweder nur sie kommt oder die drei zusammen. Abreisedatum soll für sie mit oder ohne Sebastian, dass wir sich herausstellen, der 20. Juli sein. So wird hier also immer ein wenig Trubel bleiben! Da Luana ja ausgezigen ist, will Katty das Zimmer jetzt auch erst Mal nicht vermieten, sondern für ihre Familie nutzen. Dass ist dann auch auf alle Fälle für mich angenehmer, als ständig um schlafende Gestalten rumzutapsen.

Eine WG auf Reisen

08Juni2013

Zwei Wochen, wundervolle, erlebnisreiche und spaßige Wochen gingen gestern Abend viel zu schnell zu Ende. Meine beiden lieben Mitbewohner aus Passau konnten den Wassermassen entkommen und zu mir nach Brasilien "flüchten". Wir haben eine Power-Brasilien-Reise gemacht, damit die beiden so viel wie möglich mitbekommen konnten, von meiner neuen Heimat.

Sonntag morgens kamen sie in Curitiba an und wir hatten tolles Wetter mit Sonnenschein. Nach einem ausführlichen Brunch in einer caotischen und dreckigen Wohnung nach Kattys Geburtstagsfeier am Vorabend, sind wir durch Curitiba gelaufen und ich habe ihnen die Innenstadt - hier haben wir eine Demonstration, die hier sehr selten sind, miterlebt, für Drogen/Grass -, meine Unigebäude und die Altstadt gezeigt. Dort haben wir am Ende auch bei den letzten warmen Strahlen ein brasiliansiches Bier mit Luana getrunken und viel geredet. Abends haben wir uns Caipis gemacht und sind dann mit Bianca und Anna zum Pizza Rodízio gegangen. Die Jungs haben sich viel zu schnell übergessen, so wie das jeder am Anfang macht, und waren bei den süßen Pizzen mehr als sprachlos. Ein Erlebnis für sie, was so schnell nicht aus dem Kopf geht. Nach einem Gute Nacht Caipi zu Hause sind wir früh ins Bett gegangen, doch die Schlafsituation war auch sehr caotisch. Da Kattys und Camilos (ihr Exfreund) Familie hier für unbestimmte Zeit wohnen, ist Luanan netterweise zu den Mädels gegangen und die Jungs konnten in ihrem Zimmer schlafen.

 

RIO DE JANEIRO

Am nächstem Morgen ging es auch schon direkt los: Rio!!! Unser erstes Ziel die Stadt, die jeder mal sehen möchte. Und es lohnt sich! Wir hatten ein unglaublich süßes Hostel, direkt in Ipanema gelegen, in einer super Gegend, drei Blöcke vom Strand entfernt mit einer tollen Atmosphäre. Wir hatten ein Zimmer zu dritt und es gab leckeres Frühstück, eine entspannte Lounge-Ärea und einen Pool in einem kleinen Innenhof. Am ersten Tag sind wir direkt an den Strand von Ipanema gegangen, auch bei Wolken, und haben unsere Füße von Meerwasser abkühlen lassen. Es war sehr ruhig am Strand, da Montag war, nur am Schwulen-Abschnitt tümmelten sich die Menschen. Wir sind mit einem kühlen Bier in der Hand den Strand ertlang gelaufen bis zum Ende und sind dort auf einen Felsenvorsprung geklettert und haben die Aussicht genossen. Abends sind wir auf eine Bootsparty gegangen. Die Party wurde von mehreren Hostels organisiert und sollte um 22 Uhr anfangen. Wir kamen gerade rechtzeitig, doch stellte sich heraus, dass es erst um 23 Uhr losgeht. So mussten wir unnötig warten aber bekamen netterweise jeder einen Caipi geschenkt. Die Party war verrückt. Nicht vergleichbar mit unseren Bootsparties in Passau. Zunächst gab es für Mädchen bis Mitternacht Getränke um sonst und für Jungs zwei zum Preis von einem und danach mixten sich die Leute untereinander, Musik laut aufgedreht legten wir ab und hatten immer die unglaubliche Skyline von Rio vor Augen und die beleuchtete Christusstatue.

Am nächsten Tag schien endlich die Sonne! Wir haben uns direkt wieder zum Strand begeben und dort den wenigen Schlaf der Vornacht nachgeholt, eine Kokosnuss getrunken, uns das bunte Treiben der Cariocas angeschaut und eine Abkühlung im Meer geholt. Ein sehr entspannter (Vor)Mittag. Als es sich dann ein wenig zugezogen hat, sind wir ins Zentrum gefahren und haben einen Spaziergang durch die Stadt gemacht. Einige alte, schöne Gebäude und viele Menschen. Die Offenheit und Hilfsbreitschaft haben wir auch sofort zu spüren bekommen. Eine Studentin hat uns gefragt, ob wir Hilfe bräuchten, als wir etwas in unserem Resieführer geblättert haben. Zur Rush-hour waren wir so erdrückt von den Menschen, dass wir uns auf den Hauptplatz gesetzt haben und die Vorbereitung der Prämiere von Hangover 3 miterlebt haben. An dem Abend waren all die Stars in Rio und wir sind auf unserem Rückweg noch am Copacabana Palace, dem teuersten Hotel, vorbeigefahren worden. Den Abend haben wir erschöpft und gemütlich im Hostel verbracht.

Der dritte Riotag war unser Touri-Tag. Morgens haben wir eine Favela-Tour gemacht, kurz bevor der 24-jährige deutsche Tourist in der selben Favela angeschossen wurde. Wir haben uns aber sehr sicher gefühlt und uns ist nichts passiert. Die Tour ging durch die größte, bekannteste Favela in Rio - Rocinha - mit einem erfahrenen Guide. Wir haben oben angefangen und hatten zunächst eine Sicht auf die ganze Favela, sehr bedrückend und erschreckend. Wir sind in ein Künstlerprojekt gegangen, wo Künstler mit Kindern aus der Favela Bilder malen und ihnen zeigen, wie man malt. Danach haben wir in der Straße 1 - die eher eine kleine, schmuddelige Gasse ist - eine Samba Einlage gezeigt bekommen, Süßigkeiten von einem Ehepaar angeoten bekommen, selbstgemachten Schmuck gesehen und eine Kindertagesstätte, die durch ein Voluntär-Projekt entstanden ist, besucht. An manchen Stellen hat der Guide uns gesagt, dass wir keine Fotos machen dürfen da dort Drogenbosse sitzen und die keine Bilder tolerieren (wie man bei dem 24 Jährigen vermutlich sehen kann) und uns Einschüsse in Häusern gezeigt. Uns hat ein ständiger Gestank, Abfallhaufen und Abwasserrinnsal begleitet. Auf der anderen Seite sah man aber auch viele Sky HDTV Schalen...

Nachmittags haben wir mit einem sehr erfahrenen, interessanten Guide und zwei englischen Soldaten, die sehr lustig waren und sich mit einem Lateinamerika-Trip von einem Afgahnistan-Einsatz erholten, eine Tour durch die Stadt zu den Highlights gemacht. Unsere erste Station war die Christusstatue. Von dem 710 Meter hohem Corcovado hat man eine unglaubliche Aussicht auf die ganze Stadt. Die Geographie der von Häusern überwucherten Stadt erkennt man dort erst richtig, mit den vielen Hügeln, Bergen und den Küsten. Doch vor der riesigen, 38 Meter mit Sockel, Statue zu stehen ist auch ein Erlebnis. Von jedem Flecken der Stadt sieht man ja den Christus, aber dann vor dem Riesen zu stehen, der 1931 vom brasilianischen Bauingenieur Heitor da Silva Costa fertiggestellt wurde, ist doch beieindruckend. Von dort sind wir durch die kleinen, bunten, süßen Gassen von Santa Teresa nach unten gefahren. Hier ist jedes Gebäude anders, überall sieht mal Grafitti von professionellen Strayern die das Viertel noch bunter und lebendiger erscheinen lassen. In Lapa angekommen, am Fuße des Berges, Santa Teresa und Seite an Seite mit dem Zentrum, haben wir einen Stop bei der berühmten Escadaria Selarón - der Mosaik Treppe - gemacht. Auf Bildern finde ich, sieht sie schon besonders aus, aber in Live und in Farbe ist sie mehr als beeindruckend. Entstanden ist sie, da der Maler Selarón keine Bilder verkaufte und Aufmerksamkeit auf seine Kunst bekommen wollte. So hat er mit Mosaiken aus aller Welt die Treppe angefangen zu verschönern und mit jedem verkauften Gemälde neue Mosaike dazu gekauft. Dass, was zunächst nur reine "Werbung" sein sollte, wurde am Ende zu seinem Lebenswerk. Besucher aus aller Welt haben ihm immer neue Mosaike aus ihren Ländern und Städten mitgebracht, die er mit eingebaut hat. Die Geschichte, die man sich über ihn erzählt, handelt von einem sehr traurigen Leben. Auf fast all seinen Bildern sieht man eine schwarze schwangere Frau, im Hintergrund Flammen oder den Tod. Angeblich soll seine schwangere Frau verbrannt worden sein, was er nie verkraftete und sich so dieses Jahr am 10 Januar im Alter von 65 selbst das Leben nahm, indem er sich verbrannte... Zu guter Letzt sind wir auf den Zuckerhut gefahren, es dämmerte schon. Doch genau das war unser Glück. Oben angekommen sahen wir auf das beleuchtete Rio, was so viel spektakulärer aussah, als bei Tageslicht. Von hier hat man noch mal eine ander Sicht auf die Stadt, als vom Corvocado. Eine sehr coole Stimmung strahlt Rio so aus und wirkt noch lebendiger und anziehender, als sonst. Wir hätten ewig da oben bleiben können. Zurück beim Hostel sind wir sehr lecker um die Ecke essen gegangen und sind danach nach Lapa, dem Party-Viertel, gefahren. Luana hatte uns einen Tip für einen Club gegeben, aber wir haben uns dagegen entscheiden, da dort Samba gespielt wurde, und wir lieber in Curitiba mit ihr in einen Samba-Club gehen wollten, damit sie uns ein wenig die Tanzschritte zeigen kann. Das war vielleicht ein kleiner Fehler, denn wie wir am nächsten Tag herausfanden, feierte an dem Abend der Hangover Cast dort. Aber wir hatten auch so eine sehr lustige Nacht in einem großen Club bei Pagode-Musik, mit Live-Bands, was die Jungs sehr beeindruckt hat, und vielen brasiliansichen Bekanntschaften.

Den Donnerstag haben wir am Copacabana-Strand verbracht. Da auch hier Feiertag war, waren die Straßen voll von Sporttreibenden und Familienausflügen. Es wurden sogar die großen Straßen am Strand gesperrt, damit die Leute hier entlang gehen,laufen,fahren konnten. Am Strand tummelten sich die Leute und es war angenehm warm. Wir haben uns ein ruhiges Plätzchen gesucht und die letzten Momente in Rio genossen. Wir haben unglaublich viel erlebt und mitgenommen. Wir waren alle sehr positiv von der Stadt überrascht, besonders ich, da ich mit sehr gemischten Gefühlen nach den letztlich sich häufenden Negativschlagzeilen nach Rio geflogen bin. Doch wir haben uns sehr sicher gefühlt und die unglaubliche Lebensfreude, Hilfsbreitschaft und tollen Lebensstil genossen. Nachmittags hieß es dann wieder packen und ab zum Flughafen zu unserem nächsten Ziel, das Pantanal.

 

PANTANAL

Donnerstag Nacht sind wir in Cuiabá gelandet und wurden von einem Mitarbeiter von Pantanal Nature, unserem Tour-Anbieter, abgeholt und in unser Hostel gebracht. Das war eine sehr urige Pousada, die einfach aber gemütlich und persönlich war. Es gab einen kleinen Innenhof mit Hängematten, kleinem Garten in dem ökologisches Obst und Gemüse angebaut wurde, einen alten Schallplattenspieler, viele Bücher und Tiere die sich überall frei bewegten. Am nächsten Morgen sind wir nach dem Frühstück mit einem Fahrer etwa 4 Stunden zu der Lodge ins Landesinnere des Pantanal gefahren. Das Pantanal liegt im mittleren Südwesten Brasiliens und reicht bis nach Paraguay und Bolivien. Es ist eines der größten Binnenland-Feuchtgebiete und ist 230.000 km² groß (155.000 km² liegen etwa in Brasilien). 

Auf unserem Weg über die berühmte Transpantaneira haben wir schon unsere ersten wilden Tiere gesehen- riesen Alligatore und Vögel! Wir kamen pünktlich zum Mittagessen in der Lodge an, die leider nicht ganz so gemütlich war, wie die im Amazonas, denn die Lodge gehörte nicht unserem Tour-Anbieter, sondern wurde von mehreren gebucht. Wir hatten aber ein schönes Dreierzimmer, mit Hängematten vor der Tür, einem Pool und viel Land um uns herum. Wir lernten unseren Tourguide, Flavio kennen. Er kommt ursprünglich aus dem Amazonas und ist seit ca 12 Jahren im Pantanal. In unserer Gruppe war ein Inder, der an der Uni in Boston lehrt, für einen Tag und ein Päärchen aus Deutschland. Am Nachmittag ging es auch gleich los - auf einem Pferderücken! Wir sind auf Pferden durch das Gebiet um die Lodge herum geritten und haben den ersten Eindruck von schöner Flora und Fauna bekommen. Unsere ersten Capybaras haben wir gesehen, ansonsten leider nicht viel an Tieren. Der Ausritt war sehr entspannt und recht lusitg, da die Pferde teilweise gemacht haben, was sie wollten. Nach dem Abendessen sind wir auf eine Nachtsafari gegangen, mit einem großen offenen Auto. Auch hier war die Tierbeute etwas erniedrigend. Eine Schlange haben wir gesehen, das wars. Etwas enttäuscht vom ersten Tag haben wir uns noch ein Bier in der Hängematte gegönnt und sind dann schlafen gegangen.

Am nächsten Morgen haben wir eine Bootstour gemacht. Wir haben unzählige Vögel gesehen, einen Leguan, Capybaras und wieder bei der Lodge den "Hauseigenen" Kaiman. Flavio hat ihn mit Piranhas auf dem Wasser gelockt, damit wir uns den etwa 15 Jährigen Kaiman anschauen konnten. Nachmittags haben wir eine Wanderung durch das Waldgebiet um die Lodge gemacht, es war unfassbar heiß! Als allererstes haben wir das seltenste Tier im Pantanal gesehen: eine Schildkröte! An ihrem Panzer sahen wir Spuren vom Jaguar, der wohl versucht hat, die Schildkröte zu essen, aber sie ist das einzige Tier, was der Jaguar nicht töten kann. Weiter im Waldesinneren, habe ich einen kleinen Affen entdeckt und auf unserem Rückweg haben wir frische Spuren von einem Jaguar und einem Puma gefunden. Das war sehr spanned! Leider blieb uns der Jaguar aber die ganze Zeit von der Linse fern. Kurz nachdem wir angekommen sind, hat es geschüttet wie verrückt. Wir haben auf unserem Rückweg schon die dicken schwarzen Wolken gesehen aber sind trocken angekommen. 

An unserem letzten Tag im Pantanal sind wir um 5 Uhr mit Kayaks aufgebrochen um den Sonnenaufgang anzusehen. Die Jungs mussten paddeln, ich durfte entspannt dazwischen sitzen. Wir sind zu einem schönen Spot gepaddelt und haben dort auf die Sonne gewartet, die wir wundervoll aufgehen sehen konnten. Der Rückweg war ein wenig anstrengender zu rudern, denn es ging Flussaufwärts. Nach dem Frühstück haben wir noch mal eine Bootstour gemacht, diesmal in die andere Richtung und haben wieder außer Vögeln, einem Leguan und dem Kroko (welches natürlich ein Kaiman ist) nichts neues gesehen. Nach dem Mittagessen sollten wir eigentlich zurück nach Cuiabá fahren, aber Flavio fragte beim Mittagessen, ob wir drei noch bis 22 Uhr bleiben wollten, denn dann würde noch ein Bus fahren, in dem mehr Platz für uns wäre. Da sagten wir natürlich ja, denn unser Flug ging erst um 6 Uhr früh, sodass wir in Cuiabá auch nicht mehr viel gemacht hätten. So haben wir drei mit ihm nachmittags noch Mal eine Wanderung gemacht, die einen tollen Abschluss gegeben hat. Wir haben endlich einige Tiere gesehen! Zuerst lief uns eine Horde von Capybaras über den Weg, die schnell die Flucht ergriffen haben, als sie uns sahen. Dann haben wir einen Specht zunächst gehört, und dann mit den Augen gefunden. Affen sind uns auch immer wieder begegnet, genauso wie Skelette von Kühen, Kaimanen oder Pferden. (Die wurden entweder von einer Schlange oder einem Jaguar getötet). Auf unserem Rückweg wären wir fast über eine Schlange gestolpert und als die Dämmerung einsetzte, kam ein Fuchs genau auf uns zu. Fast noch beeindruckender war das Schauspiel am Himmel. Den gesamten Horizont, bis zu unseren Seiten hat es ununterbrichen geblitzt. Flavio meinte gerade aus würde Sao Paulo gerade im Wasser versinken. Das war ein Spektakel. Beim Abendessen hat es dann so zu regnen angefangen, dass wir auf eine ruhige Fahrt nach Cuiabá hofften. Denn der Weg besteht nur aus Sand und Steinen. Es wurde auch eine ziemliche Rutschpartie, aber unser Fahrer hatte alles wunderbar im Griff, dass wir ohne größere Probleme um 1 Uhr am Flughafen ankamen. Völlig erschöpft versuchten wir die Zeit bis zu unserem Flug mit Schlafen zu verbringen, was nicht so sehr gelang.

Bei unserem Zwischenstop in Brasília sahen wir die furchtbaren Bilder aus Passau und bekamen gleich ein Live-Update von zwei Freunden aus Passau, Timm und Brian, via Skype. Unfassbar, dieses Hochwasser! Waren die Jungs aber froh, im schönen Brasilien zu sein!! Völlig erschöpft kamen wir in Curitiba an und Luana hatte uns schon netterweise ein Mittagessen bereitet. So haben wir zusammen gegessen, dann bin ich kurz in die Uni zu einem Kurs gegangen, die Jungs und Luana einen Kaffee trinken und ein Eis essen und danach hieß es wieder packen für Foz do Iguacu. Eigentlich wollte ich zunächst nicht mitkommen, da ich dort schon war und in die Uni gehen wollte, aber dann konnte ich meine Jungs doch nicht alleine fahren lassen und bin mitgekommen. Wenn sie schon den weiten Weg auf sich nehmen, um mich zu Besuchen, wollte ich doch so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen.

FOZ DO IGUACU

Nach Foz haben wir den Nachtbus genommen. So haben die Jungs auch dieses brasiliansiche Erlebnis mitbekommen und waren positiv von dem Komfort überrascht! Früh morgens um 7 Uhr sind wir Dienstag angekommen und direkt ins Hostel gefahren. Dort haben wir gefrühstückt, uns umgezogen und sind zuerst zum Itaipu Staudamm gefahren, da einer der beiden Chris Ingenieur ist, und das unbedingt sehen wollte. Leider haben wir zeitlich die ausführliche Tour über die Technik des Staudamms nicht geschafft, sodass wir nur die Panorama Tour in einem Bus gemacht haben. Dort wurde auch ein wenig über den Staudamm, den Bau und die Energiegewinnung erzäht. Von dort sind wir direkt auf die brasilianische Nationalpark-Seite gefahren und haben uns die tolle Panoramalandschaft der Wasserfälle angeschaut. Ich war wieder genauso begeistert, wie beim letzten Mal. Mit vielen Fotostopps und der Verwunderung über ein Fotoshooting, haben wir den letzten Bus zurück genommen. Im Hostel haben wir gleich Bekanntschaften bei einem Caipirinha gemacht. Mit zwei Brasilianern sind wir dann auch Abendessen gegangen und hatten einen unglaublich lustigen Abend. Die beiden sind mit dem Auto aus Sao Paulo gekommen, der eine konnte kein Englisch aber trotzdem haben sich alle verstanden...

Am nächsten Tag sind wir auf die argentinische Seite gefahren. Dies haben wir wieder über das Hostel organisiert, da so die Grenzüberschreitung einfacher und der gesamte Ausflug billiger ist. Zunächst war es noch sehr nebelig, doch gegen Mittag wurde es wieder sonnig. Hier sind wir die beiden Wege, den Circuito Superior und Inferior, gegangen und haben die Wasserfälle teilweise aus der Nähe, teilweise aus der Ferne gesehen. Die beiden Jungs sind dann mit dem Boot in die Wasserfälle gefahren (da ich es das letzte Mal gemacht habe, habe ich mir das erspart) und hatten irre Spaß. Nach einer Mittagspause sind wir zur Garganta del Diablo gegangen und der Anblick ist und bleibt einfach unbeschreiblich und nicht auf Fotos festzuhalten. Dieses Schauspiel könnte man sich ewig anschauen. Wieder im Hostel haben wir noch ein paar Postkarten geschrieben, etwas gegessen und haben wieder den Nachtbus nach Curitiba genommen. Dieser war leider etwas älter und unbequemer, sodass wir alle wenig schlaf hatten. (Mehr Fotos von Foz findet ihr in einem meiner ersten Beiträge, als ich mit Hanna im März dort war)

Zurück in Curitiba wollten wir eigentlich nur schlafen, aber sogar meine Matratze hatte Katty für ihren ganzen Familienbesuch benutzt, während wir in Foz waren. So kauften wir Frühstück und brunchten neben einem schlafenden Yoscar. Da die Sonne so schön schien, sind wir in den Jardim Botânico gegangen und haben uns auf die Wiese gelegt und entspannt. In der Sonne war das wirklich herrlich. Abends sind wir mit Tess und Luana zu einem Fleisch Rodízio gegangen. Das war etwas, was auch ich noch nicht kannte. Das Buffet wurde mit allem möglichen gesprengt: Salat, Nudeln, Reis, Risotto, Sushi, Nachtischen und dann kam ständig einer mit den verscheidensten Fleischarten und -zubereitungen an den Tisch und man wählte, was man wollte. Eine unglaubliche Völlerei. Nachts sind wir dann noch in einen Samba-Club gegangen, wo Alex noch mitkam. Wir waren völlig überfordert bei den schnellen Tanzschritten aber hatten unseren Spaß. Die Musik war auch abwechslungsreich (alles aber brasiliansiche Stile) und das Highlight war, dass Rafinha, der Fußballspieler von Bayern, auch dort war. Er kommt ursprünglich aus Curitiba. Als einer der letzten verließen wir den Club und hatten das Schlafproblem, mit zwei kleinen Matratzen zu viert. Also musste gekuschelt werden...

Und dann war auch schon Freitag und die beiden Chris mussten wieder fliegen. Die Zeit ging viel zu schnell vorbei. Nach einem späten Brunch wurde nur noch gepackt und dann mussten wir auch schon zum Flughafen. Leider. Es waren zwei unglaublich schöne, erlebnisreiche und harmonische Wochen; als wären wir nie "getrennt" gewesen. Leider hat auch Luana mich gestern hier verlassen, da sie umgezogen ist, sodass ich jetzt von einer Horde Venezuelanern umgeben bin. Aber bei meinem Schlafmangel stört mich das erst mal nicht...