Berichte von 09/2013

Ein Rückblick

09Sept2013

Nach meinem letzten halben Jahr in Brasilien bin ich nun wieder gut zu Hause angekommen. Bei herrlichem Wetter war das natürlich um so schöner. So wirklich kann ich es aber immer noch nicht glauben, dass ich nun nicht mehr in Brasilien wohne. Irgendwie kommt mir das alles noch wie in einem Traum vor und doch real. So wird dies nun auch mein letzter Eintrag sein!

Am Wochenende habe ich meiner Familie schon einige Fotos gezeigt und da kamen all die Erinnerungen, die schon ein wenig tiefer in mir schlummerten, hervor. Was ich alles gemacht habe, erlebt habe, gesehen habe! Dieses Land, die Leute, die Kulturen, all das spiegelt sich in meinen Gefühlen und Gedanken wieder. Ich habe unglaublich tolle und interessante Menschen kennen lernen dürfen, auch verrückte wie meine Mitbewohner oder herzensgute wie viele meiner Freunde. All diese haben einen großen Part in meinem Leben dort gehabt und mir jeden Tag ein lächeln ins Gesicht gezaubert. Mit ihnen habe ich viele Reisen, Ausflüge und Herausforderungen erlebt. Ohne sie hätte ich vieles nicht so intensiv erlebt und erfahren oder ausprobiert. Meine Passauer Mitbewohner sind zu mir gekommen und die Reise mit ihnen war für mich eins der Highlights. Viele haben sich Sorgen um mich gemacht, wenn ich alleine gereist bin, in den Amazonas, in den Nordosten. Doch all dieses hätte ich nicht gemacht, wenn ich nicht von diesem Land, seinen Leuten und Kulturen so begeistert wäre! Und es gibt noch so viel zu erkunden für mich. 

Wenn ich mir die Beiträge des letzten halben Jahres durchlese, wird alles wieder real. Ich bin wieder an dem Ort, fühle wieder, was ich gefühlt habe, sehe wieder, was ich gesehen habe. Es ist ein wundervolles Gefühl, so in die verschiedenen Farcetten und Lebensgeschichten der Menschen und Kulturen eingetaucht zu sein. Ihnen aber auch was von mir mitzugeben. Die Sprache die ich so sehr lernen konnte, ist dabei mein ständiger Begleiter. Mein schönstes Kompliment war immer wieder, dass ich besser Portugiesisch spreche, als viele Portugiesen. Ich hoffe, sehr bald wieder zurück kehren zu können um das weiter zu erleben, was ich fürs erste zurück gelassen habe. Ein einmaliges Land, vom Nordosten über die Iguacu-Wasserfälle hin zum Amazonas, Rio als die Metropole. 

Nun freue ich mich wieder in Deutschland zu sein und mich über die Kleinigkeiten zu freuen, die für uns hier so selbstverständlich, in Brasilien aber noch weit entfernt sind. 

Wo ist die Zeit geblieben?

05Sept2013

6 Monate? So lange? So kurz? So schnell? In den letzten Tagen sind mir unteranderem diese Fragen immer wieder durch den Kopf gegangen. Meine Brasilienzeit ist zu Ende. Es geht wieder zurück ins schöne Deutschland, zu Familie und Freunden. Doch kommt es mir vor, als wäre ich erst ein paar Wochen hier gewesen. Als hätte ich so vieles nicht gemacht, gesehen, erlebt. Dabei habe ich für die kurze Zeit alles mitgenommen, was ich mitnehmen konnte. Ich habe unglaublich schnell und viel Portugiesisch gelernt, habe tolle neue Leute getroffen und Freundschaften geknüft, habe die Uni erfolgreich abgeschlossen, bin in alle wichtigen, sehenswerten und wunderschönen Kulturen eingetaucht und habe das Land kennengelernt. Doch es gibt noch so viel mehr zu machen. Da muss ich einfach noch Mal zurück kommen, und dass liebend gerne.

Meine letzten 3 Tage in Curitiba waren vollgepackt. Als ich hier in der Kälte ankam, hat schon eins von Kattys Abendessen auf mich gewartet und Anna, eine Freundin aus Passau die jetzt in mein Zimmer gezogen ist. Wir haben bis spät gequatscht und ich bin erschöpft von der Reise eingeschlafen. Am nächsten Abend habe ich ein Abendessen für meine deutschen Freunde hier gemacht. Es war wundervoll alle noch Mal nach so langer Zeit zu sehen und sich richtig verabschieden zu können. Mittwoch bin ich mit ALex noch zum Mercado Municipal, eine Art Kleinmarkthalle Frankfurt mit Obst und Gemüseständen, Fisch und Fleischtheken, Nüssen, Süßem, Wein und anderen Leckereien, gegangen, haben dort zu Mittag gegessen und sind danach noch durch die Stadt geschlendert. Abends habe ich mit Anna gekocht und Marco, ein deutscher Austauschstudent der Kontakt über meinen Blog mit mir aufgenommen hat, ist noch gekommen, sodass wir uns noch richtig kennen lernen konnten. Heute, kurz vor meinem Abflug, war packen angesagt, ich habe Luana getroffen, Alex kam noch vorbei und Katty und Yoscar bringen mich netterweise mit dem Auto zum Flughafen (das Auto haben sie neu...). Also mir wurde hier wirklich nicht langweilig und ich habe auch das Ende in Curitiba gut nutzen können.

Jetzt freue ich mich auf zu Hause und werde dort wohl erst richtig zurückblicken können, auf das halbe Jahr, meine Erlebnisse, Erfahrungen und eine reiche brasiliansiche Kultur. 

O Linda viagem...

02Sept2013

Von Pipa ging es zurück Richtung Recife, von wo aus ich meine Rückflug nach Curitiba Montag hatte. Doch ich bin nicht nach Recife, sondern Olinda gefahren und habe dort zwei Nächte verbracht. Olinda liegt etwas nördlich von Recife und ist eine der ältesten Städte Brasiliens. Es hat unzählige sehr sehenswerte Kirchen und Museen, die mit die einzigen in dieser Anzalh sind, die es in Brasilien noch gibt. Abends, nachdem ich Samstag angekommen bin habe ich einen kurzen Übersichtsspaziergang nach Se, dem hauptteil auf einem Berg, gemacht, von wo aus man einen wundervollen Überblick über Olinda bis nach Recife hat. Gegessen habe ich auf einem Hauptplatz in der Nähe von meinem Hostel bei Livemusik. Ich habe mir ein Zimmer mit zwei Brasilianerinnen (Sao Paulo und Florianopolis) geteilt, die sehr nett und interessant waren. Wir haben noch lange geredet bevor wir eingeschlfen sind. 

Mit dem Mädchen aus Sao Paulo habe ich nach dem Frühstück eine Olinda-Tour gemacht. Wir sind einen Rundweg gegangen und haben uns alle schönen Kirchen, bunte Gässchen und andere Sehenswürdigkeiten angeschaut. Leider hat es ein wenig geregnet, aber dass hat den tollen Bauten nicht viel genommen. Doch waren wir beide ein wenig enttäuscht. Jeder sagt, man muss nach Olinda fahren und es sei so schön, sodass wir wohl etwas hohe Erwartungen hatten. Es lohnt sich definitiv einen Tag in Olinda zu verbringen, aber besser ohne viel Schwärmerei davor. Wir haben noch zusammen gegessen und dann ist sie weitergereist. Nachmittags habe ich im Hostel einen sehr interessanten Deutschen kennengelertn, der 2 Jahre mit seinem Motorad durch lateinamerika reist, aber sehr locker. Mal fliegt er nach Deutschland, dass im Winter in die Karibik zur Segelweltmeisterschaft, danach macht er in Brasilien weiter... Ein Leben! Er wollte eine kleine Spritztour den Strand entlang mit mir auf dem Motorrad machen, aber da es wieder geregnet hat und ich keine richtigen Motorradmäßigen Klamotten, ist er alleine weiter. So habe ich einen kleinen Bummer über den Artesania-Markt gemacht und habe verschiedenen Musik und Tanzgruppen bei ihren Proben und Auftritten zugeschaut. Sehr bunt und fröhlich. Beim Abendessen im selben Restaurant wurde es dann auf einmal Turbulent. Schrecken, Erstaunen, Unsicherheit und Unbehaglichkeit breitete sich in mir aus. Von einer Show in der Nähe rannten alle Jugendlichen, geschätzt zwischen 16 und 19 Jahren alt, mehrere Hunterte auf einmal los, über die Straßen, Busse schlagens, schreiend. Alle Leute im Restaurant sind sicherheitshalber ein wenig zusammen gerückt. Es gab ein Knall, aber ich konnte nicht ausmachen, was es war. Auf der einen Seite wurden Jungs von Polizisten durchsucht, andere Gruppen haben sich gestritten und waren kurz vor einer Schlägerei. Einige sind in die nächsten Busse und weggefahren. Der Kellner meinte dass wäre alles nicht so schlimm und gleich vorbei - so war es auch - aber ich habe mich doch unwohl gefühlt. Als sich der Tumult auflöste, haben sich doch tatsächlich zwei Frauen neben mir von einem bekofften und Vodka-pur trinkendem Tattoos auf der Straße stechen lassen. Ich habe meinen Augen nicht getraut. Der Abend war echt ein verrückter Abschluss.  Als ich später im Hostel mit der Frau aus Floripa über die Jugendlichen gesprochen habe, meinte sie, das waren hauptsächlich Taschendiebe und sie ist auch direkt ins Hostel gegangen weil man nie weiss, was sie als nächstes machen.

Morgens habe ich meine Sachen gepackt und ein Taxi zum FLughafen genommen. Der etwas ältere Mann hat mir dann noch beim durchfahren durch Recife ein paar Sehenswürdigkeiten gezeigt in der Altstadt. Dann ha er mir noch einen Strand gezeigt, doch Recife ist bekannt für seine Haie und Attacken, sodass ich froh war nur dran vorbei zu kommen. Der Flughafen hat mich echt überrascht. So modern, sauber, ordentlich, mit vernünftigen Geschäften. Und Recife ist jetzt nicht die beduetenste Stadt, im gegensazt zu Rio, Sao Paulo und Brasília, die alle sehr alte, kleine und abgenutze Flughäfen haben. Ob sich da noch was bis zur WM verändert?

Abends bin ich wieder im grauen, regnerischen Curitiba angekommen und wäre am liebsten wieder in den Nordosten geflogen. Ich hatte einen so wunderbaren Monat, habe viele tolle Plätze und Menschen kennen gelernt, war frei und konnte machen, wozu ich Lust und Spaß hatte. Die Reise hätte ruhig noch viel länger gehen können. Doch so habe ich noch einiges zu entdecken wenn ich hoffentlich eines Tages wieder nach Brasilien komme!