Auf Du mit dem Alligator - Mein Jungle-Trip

04Mai2013

Wohlbehalten und mit unzähligen unbeschreibbaren Ereignissen komme ich aus dem Amazonas zurück. Viele, viele Mückenstichen werden mich noch ein paar Tage an diesen fantastischen Trip erinnern....

 

Gut vorbereitet nahm ich den Bus zum Flughafen und  mein Ausflug  fing am Freitag schon ereignisreich an. Zunächst bestellte sich der Mann neben mir auf dem Flug von Curitiba nach Brasília direkt eine Kotztüte, dann saß ich auf dem Flug von Brasília nach Manaus neben einer älteren Dame, der es immer zu heiß war und auch nachdem die Stewardess ihr erklärte, dass die Klimaanlage richtig angeht wenn wir los fliegen, konnte sie sich nicht beruhigen, bekam furchtbaren Schweißausbruch und war kurz davor, weg zu kippen. Wir rollten bereits und mussten die Stewards rufen, denn die Frau wurde fast Ohnmächtig. Das Flugzeug stoppte, es kamen sofort drei Ärzte zu uns und einer hatte einen Pulsmesser dabei. Ihr Puls war bereits auf 40 gesunken. Wir rollten zurück zum Terminal und sie wurde zu einem Arzt gebracht, sie war ganz alleine. So musste nach unserer 50 Meter Fahrt das Flugzeug erst Mal wieder betankt werden, doch dann konnten wir mit einer Stunde Verspätung starten. In Manaus angekommen, kam mein Gepäck als eines der letzten. Ich ging total müde raus und schaute mich nach einem Fahrer meiner gebuchten Tour um, der mich abholen und zum Hostel bringen sollte. Es war niemand da. Ich ging in dem kleinen Flughafen zu dem anderen Ausgang, doch dort standen nur andere Touranbieter, niemand von meinem Anbieter. Eine Stunde verbrachte ich wartend und suchend am Flughafen, versuchte jemanden telefonisch zu erreichen, doch nichts geschah. So nahm ich ziemlich verärgert und müde ein Taxi zu meinem Hostel. Ich schlief sofort ein, doch stellte mir meinen Wecker früher, denn ich wusste nicht, ob man mich dann auch nicht – wie versprochen – um 8 Uhr morgens vom Hostel abholte. Ich frühstückte mit einer Engländerin, die die gleiche Tour mit mir machte und war froh, dass pünktlich um 8 Uhr jemand zum abholen kam. Wir fuhren zum Office, trafen den Rest unserer Reisegruppe und bekamen eine kurze Einweisung in das weitere Vorgehen. Gero, der Besitzer der Organisation, nahm mich bei Seite und entschuldigte sich für den Vorfall am Flughafen, denn der Fahrer war wohl da und hat auf mich gewartet (zwei aus meiner Gruppe waren im gleichen Flug wie ich und haben den Fahrer getroffen, meinten aber dass sie nicht lange gewartet haben und so denke ich mal, dass ich einfach zu spät mit meinem Gepäck kam...) und versprach mir, ein Zimmer zum Schlafen und Duschen zu übernehmen, wenn ich von der Tour zurück komme und den Transport zum Flughafen übernehmen würde.

 

Wir fuhren zum Hafen von Manaus und nahmen ein kleines Speedboot über den Rio Negro und den Amazonas zum Festland auf der anderen Seite. Auf dem Weg stoppten wir an der Stelle, wo sich die zwei Flüsse treffen. Ein tolles Spektakel! Der schwarze Rio Negro und der rötlich-braune Amazonas. Wir streckten unsere Hände ins Wasser uns fühlten wie viel kälter der Amazonas ist. Die beiden Flüsse vermischen sich nicht und haben andere Temperaturen, da der Amazonas deutlich schneller fließt als der Rio Negro und beide haben einen ganz anderen Sediment- und Säuregehalt. Auf dem Festland nahmen wir dann wieder einen Bus hielten an riesen Wasserlilien, mussten dann noch den Bus in kleinere tauschen, denn die Strecke war unglaublich matschig und rutschig. Am See angekommen, an dem unsere Lodge liegt, wurden wir von einem Boot dorthin gebracht und bestaunten zum ersten Mal die wunderschöne Regenwaldlandschaft. Von Manaus aus ist der See, in dem ich meine 6-Tages Tour verbracht, etwa 100 km entfernt. Wir brauchten ca 3 Stunden für den Weg...

 

Ich hatte ein Bett in einem großen Zimmer gebucht, welches sehr ordentlich und mit Moskitonetzen verkleidet war. Außen standen die Betten, in der Mitte hingen die Hängematten und wir hatten zwei Bäder zum teilen. Wir bekamen erst Mal Mittagessen und lernten uns kennen. In meiner Gruppe war ein französisches Päärchen, die beide aber in New York und Chicago leben, ein junges Ehepaar aus Polen, ein Ehepaar aus Italien und eins aus Estland, die Engländerin und ich. Eine buntgemischte Truppe und wir hatten eine hervorragende Zeit zusammen, haben viel gelacht und viele Erlebnisse ausgetauscht. Unser Tourguide hieß Anselmo, er konnte unglaublich gut Englisch sprechen, zudem viele Tiernamen auf Deutsch, Polnisch, Französisch, Russisch und hatte einen irren Humor. Er hatte seinen 10-jährigen Sohn dabei, der gerade Schulferien hatte. Anselmo Junior –so sein Name – war zunächst sehr schüchtern doch nach und nach ist er immer mehr aufgetaut. Unser Localguide, der ein Einheimischer aus dem Regenwald ist, hieß Raymundo und konnte nur Portugiesisch. Er kannte jeden Flecken wie eine Westentasche. Ich hatte wirklich Probleme, die Locals zu verstehen, denn dort haben sie einen ganz anderen Dialekt als hier im Süden. Zudem haben die Indigenen natürlich auch viele eigene Worte.

 

So fuhren wir nachmittags mit einem Boot durch einen überfluteten Wald. Ich war zu einer guten Zeit da, der See war voll mit Wasser, der Wasserstand war aber nicht an seinem höchsten Level und so konnten wir viel sehen und tolle Stellen erreichen. In dem Wald haben wir nach Tieren Ausschau gehalten, unsere ersten Affen und Vögel gesehen und viel über Flora und Fauna gelernt. Ein toller Einstieg in die Tour. Nach dem Abendessen sind wir im Dunkeln auf Alligatorenjagd gegangen. Auf dem Weg haben wir sogar noch eine kleine Schlange gesehen, leider die einzige für den ganzen Trip... Mit Taschenlampen haben die beiden Guides den Waldrand abgeleuchtet und auch direkt Augen entdeckt. Wir waren mucksmäuschenstill und fuhren langsam auf den Alligator zu. Er entwischte. So fuhren wir zur nächsten Stelle und hier fing Anselmo einen Alligator, der eine Kaimanart war. Er war etwa 2 Jahre alt und kann bis zu 4 Meter lang werden. Er zeigte uns den Alligator und wir konnten ihn sogar mit der richtige Technik halten, streicheln und von allen Seiten fotografieren. Im Amazonas gibt es keine Krokodile, nur Alligatoren und Kaimane wurden wir aufgeklärt. Nach unserer Jagd spielte ich noch eine Runde Karten mit einem anderen Tourguide, der Engländerin und einer Holländerin und fiel danach sehr müde ins Bett.

 

Frühstück gab es jeden Tag um 7 Uhr und für den Morgenausflug machten wir uns gegen 8, 8.15 Uhr auf, kehrten um 12 Uhr zum Mittagessen zurück, hatten eine Pause bis 15 Uhr da es da die heißeste Tageszeit war und machten uns dann bis ca. 18 Uhr zu unserem Nachmittagsausflug auf und endeten den Tag mit Abendessen, netten Gesprächen und Spielen. So präparierten wir uns am zweiten Tag für unseren Jungle-Walk. Ich sprühte mich mit Moskitospray ein, zog mir lange Hosen, meine Regenjacke und Sportschuhe an, doch dann sagte Anselmo, wir müssten den Spaziergang wahrscheinlich auf morgen verschieben, da es regnete und dass sehr gefährlich im Wald werden kann und sich alle Tiere verstecken. So warteten wir ein wenig und lockten Wildaffen mit Bananen an und zu unserem Glück kamen sie auch, was sehr selten der Fall ist. Der Regen legte sich und so marschierten wir erst durch den secondary rainforest hinter der Lodge in den primary rainforest. Auf unserer Wanderung erklärte uns Anselmo viel zu verschiedenen Bäumen, Pflanzen, Nüssen und Tieren. Wir sahen Bäume die wandern - mit neuen Wurzeln die an dem Stamm wachsen -, die unglaublich groß und alt waren, Nüsse, die man Essen kann, exotische Früchte, Affen, hören Adler über den Bäumen fliegen, und sahen eine große Vogelspinne. Anselmo nahm sie sogar in die Hand und erklärte uns, wo der giftige Teil ist und dass die Haare, die die Spinne zunächst abwirft, eine Ausschlag und Juckreiz verursachen kann. Gigantisch! Ziemlich am Ende hat Anselmo dann die Orientierung verloren. Wir warteten während es sich auf Pfadsuche machte und haben nach kurzer Zeit den Weg wieder gefunden. Wir waren so gut wie direkt hinter der Lodge!! Die Moskitos begleiteten uns auf der ganzen Wanderung und als ich völlig verschwitzt aus meinen langen Kleidern stieg um duschen zu gehen sah ich meine Beine über und über mit Mücken- und Ameisenbissen versehen. Ich konnte es nicht fassen!!

 

Nach unserer Mittagspause machten wir uns zum Piranha fischen und Delphin watching auf. Wir fuhren eine Weile und auf ein Mal wurde Anselmo ganz aufgeregt. Wir hielten an einem Baum am Rand eines überfluteten Waldes und sahen ein Faultier! Mit Schlangen das Tier, was am seltesten gesehen wird! Raymundo kletterte wie ein Affe den Baum hinauf und das Faultier kam langsam den Baum hinuntergeklettert. Anstatt auf einen Nachbarbaum zu steigen, klettert ein Faultier lieber den Baum hinunter, denn es ist ein sehr guter Schwimmer und schwimmt zu einem anderen Baum wenn es in Gefahr ist. Als es im Wasser war sprang Anselmo ganz schnell ins Wasser und holte es zu uns ins Boot. Ein unglaublicher Moment. Wir hielten es, streichelten es und es har ein Fell wie ein wuscheliger Hund. Dieses Faultier war ein Männchen, was man an dem orangenen Streifen auf seinem Rücken erkennen kann. Es fing an zu regnen. Und wie! Ein richtig heftiger Prasselregen kam von jetzt auf gleich auf uns nieder und wir fuhren schnell zu dem nächstgelegenen Haus, welches Raymundos zu Hause war –ein schwimmendes Haus!! -, denn der Regen im Regenwald kann sehr gefährlich in den kleinen Holzbooten werden. Wir bekamen süßen Kaffee und sahen Delphine vor dem Haus auftauchen. Wir waren unglaublich aufgeregt und versuchten sie mit unseren Kammaras einzufangen, was uns aber leider nicht gelang da die Delphine nur kurz aus dem Wasser tauchten. Wir nahmen die Angeln und angelten von einem Holzvorsprung des Hauses aus. Ich fing 2 Piranhas!!!!! Die Anderen Null, außer natürlich unsere Guides und Anselmo Junior. Da war ich mächtig stolz. Doch das Glück hielt auch nur am Anfang, am Ende habe ich nichts mehr gefangen Wir spielten noch ein wenig mit den keinen Töchtern von Raymundos Bruder und fuhren dann zur Lodge zurück, als der Regen schwächer wurde. Ich spielte mit den Franzosen und Polen „Wer bin ich“ und dann gingen wir ins Bett, denn am nächsten Tag hieß es früh aufstehen.

 

Um 5.30 Uhr brachen wir zum Sonnenaufgang auf. Wir fuhren zu einem schönen Spott und sahen die Sonne leider nicht ganz so klar aufsteigen, denn es hangen noch Restwolken von dem Regen am Horizont. Nichts desto trotz war es eine wunderschöne Atmosphäre und genossen die unglaubliche Morgenruhe. Nach dem Frühstück fuhren wir zu einer einheimischen Familie , dessen Hausherr João ist, und sahen, wie sie und von was sie leben. Ein sehr einfaches Holzhaus mit einer kleinen Kochecke, einem Schlafraum und einem Wohnzimmer. Sie bauen Maniok an, ein Hauptprodukt aus Brasilien mit dem man viele verschiedene Produkte herstellen kann wie Stärke, Maniok Pulver, Tapioka, und wir sahen die verschiedenen Werkzeuge und Zubereitungsschritte. Ein sehr umfangreiches Geschehen. Wir bekamen wir einen Kaffee und schauten uns eine Kakaopflanze und Früchte an. Auf der Rückweg sahen wir wieder Delphine, Anselmo erklärte uns, warum wir sie nie vor die Linse bekommen werden. Die pinken Delphine sind sehr scheu. Man kann nicht mit ihnen schwimmen und sie schwimmen immer sehr weit weg von Lärm. Außerdem haben sie eine ähnliche Halswirbelsäule wie wir Menschen und können so problemlos nach links und rechts schauen, aber wenn sie springen würden, würden sie sich den hals brechen, deswegen tauchen sie immer nur kurz auf und man sieht nur die Schwanzflosse. Anders bei den Meeresdelphinen. Die haben eine durchgängige Wirbelsäule und können ihren Kopf nicht drehen, aber springen! Zurück in der Lodge hieß es für den Rest meiner Gruppe packen, denn ich war die Einzige, die 6 Tage blieb. Die anderen, sowie die meisten Touristen, buchen eine 3-Tages Tour. Nach dem Mittagessen machten sie sich auf den Rückweg und ich blieb mit Anselmo und seinem Sohn zurück. Er sagte, wir entscheiden spontan was wir machen werden, wenn die nächste Gruppe angekommen ist. (Jeden Tag kommen neue Touristen, so wurden wir mit den Neuankömmlingen des Tages zusammengewürfelt.) Ein Österreichisches Paar und eine dreiköpfige ukrainische Familie bildeten meine neue Gruppe.

 

Nachmittags fuhren wir in einen anderen überfluteten Wald und machten das Gleiche, was ich an meinem Tag erlebt hatte. Doch es war nicht langweilig, denn wir spähten wieder nach Tieren und sahen unzählige tolle Vögel und Delphine. So lernte ich auch einzelne Arten vom Tieren und Bäumen noch besser kennen. Die Abendstimmung auf unserem Rückweg war wundervoll. Der Himmel tauchte in orange, rosa, kräftige blau Töne und nach dem Abendessen brachen wir wieder zur Alligatorenjagd auf. Diesmal hat Anselmo gleich den ersten Kaiman gefangen, der erst 6 Monate alt war und damit viel kleiner als der Letzte war. Ich durchlebte das gleiche Prozedere und war erstaunt, wie unterschiedlich doch auch die Arten der Alligatoren sein kann.

 

Am nächsten Morgen machten wir unsere Sonnenaufgangstour mit einer anderen Gruppe zusammen, doch unser Local Guide kam nicht und so mussten wir paddeln. Da kamen wir natürlich so gut wie nicht voran und konnten nicht zu dem tollen Aussichtspunkt fahren und sahen die Sonne nicht so gut heraufsteigen, da sie hinter Bäumen aufging. Sehr schade. Nach dem Frühstück gingen wir wieder auf Wanderung. Diesmal begleitete uns Raymundo – ich erfuhr später, dass er auf der anderen Wanderung nicht dabei war, da er auf einer Fischerreunion war – und wir fuhren mit dem Boot zu einem anderen Wald – angeblich der schönste! Und es stimmte, dieser Abschnitt war noch beeindruckender als der andere! Wir öffneten eine Nuss  in der ein Wurm wächst und aßen diesen, er schmeckt nach Kokosnuss. Wir sahen mehrere Vogelspinnen und diesmal sah ich sie vom ganz nahen und Anselmo erklärte uns, dass die Weibchen größer werden als die Männchen und diese oft nach dem Akt der Liebe töten. Wir sahen auch wieder Affen und hörten Vögel, doch diesmal fand Anselmo auch eine riesen Kröte, die giftig ist. Außerdem sahen und rochen wir den teuersten Baum der Welt: Rosenholz. Anselmo schabte ein wenig der Rinde ab und es roch herrlich, er rieb sich dann sogar damit ein und meinte, jetzt rieche er nach Chanel No. 5. Herrlich!

 

Nach dem Mittagessen hieß es für mich uns das Österreichische Paar Sachen packen für den Jungle. Heute übernachteten wir im Jungle! Ich war aufgeregt aber fühlte auch ein wenig bammel. Anselmo konnte nicht mit uns gehen, obwohl er unglaublich gerne wollte, doch die Ukrainer wollten nicht im Jungle schlafen und da sie so gut wie schon kein Englisch sprachen, konnte er sie nicht alleine mit unserem portugiesisch-sprechenden Guide lassen. So gingen wir mit Raymuundo und João, bei dessen Familie ich am vorigen Tag war, und ich durfte Übersetzer spielen. Ich hoffte inständig alles gut zu verstehen, da die beiden ja einen eigenen Dialekt sprechen. Wir fuhren los und waren kaum 5 Minuten gefahren, da fing es an wie aus allen Kübeln zu regnen. Wir waren innerhalb von Sekunden plitschnass und der Regen prasselte irre stark auf unsere Haut, so Regen kennen wir gar nicht in Europa. Wir hielten bei João und schauten erst Mal den Anfang der zweiten Halbzeit von Dortmund gegen Real und tranken Kaffee. Hier in Brasilien supporten alle den europäischen Fußball. Als der Regen aufhörte machten wir uns auf dem Weg zu unserem Schlafplatz. Wir waren nach wie vor durchnässt und hatten Swimminpools in unseren Schuhen, doch das besserte sich natürlich auch nicht und wir hatten keine Wechselkleidung dabei. Wir kamen zu unserem Platz und zogen eine Plastikplane über ein aus Holzstäben gebautes Gerüst, hingen unsere Hängematten mit Moskitonetzen auf und machen ein Feuer. Das dauerte so seine Zeit, denn das Holz war nass. Wir grillten ein Hühnchen und unterhielten uns. Ich bekam ein Hochzeitsangebot von Raymundo. Er und João schliegen vor, dass wir heute Abend eine Junglehochzeit veranstalten, João der Priester ist und die beiden Österreicher unsere Trauzeugen. Ich konnte das ganze nicht sehr ernst nehmen aber den Abend über kam es immer wieder auf das Thema und ich wurde über mein Liebesleben ausgefragt und wie alles so bei uns abläuft, im Gegenzug wurde mir bis ins kleinste Detail deren Liebes- und Eheleben erklärt. Die meisten sind entweder Evangelisch oder Katholisch und heiraten auch Kirchlich, doch oft haben die Männer um die 5 Frauen während ihres Lebens, aber immer nur eine nach der anderen mit der sie verheiratet sind. Dort heiraten die meisten auch sehr früh, denn die Familien sind groß, da die Kinder beim Arbeiten helfen müssen. Raymundo hat 15 Geschwister, aber alle von den gleichen Eltern.... Das wäre ja Mal eine Geburtenrate in Deutschland! Wir aßen unser Hühnchen mit Reis und die Österreicher gingen recht früh ins Bett. Raymundo hat dann noch eine Nachbootfahrt mit mir gemacht und wir haben noch einen Alligator gefangen und riesen Fische gesehen! Wie ich schlafen sollte, wusste ich nicht. Komplett nass und in einer Hängematte... Wir kannten schon den Trick, die Füße zu der einen Seite und den Kopf zur anderen Seite legen, so schlief man gerader. Doch wirklich viel geschlafen haben wir nicht. Erst schnarchte João so laut, dass ich nicht einschlafen konnte, dann wurden wir von den Heulaffen geweckt, die sich wie eine Mischung aus Löwengebrüll und Wind anhören, die sehr nahe kamen und ununterbrochen brüllten und zudem war mir auch oft sehr kalt durch die durchnässten Anziehsachen. Wir wachten mit dem Sonnenaufgang auf, machten uns Kaffe und aßen Brötchen mit Eiern, bauten unseren Schlafplatz ab und fuhren mit einem Umweg über den größten und ältesten – mehr als 400 Jahre alten- Baum des Gebiets zurück zur Lodge. Wir wurden erstaunlicherweise gar nicht so sehr zerstochen wie wir befürchteten. Ich duschte mich erst Mal und nach dem Mittagessen und allen neugierigen Fragen legte ich mich zum schlafen. Ich war fix und fertig.

 

Es hieß wieder Schlafsachen packen. Heute Nacht schliefen wir bei Joãos Familie. Die Ukrainer sind abgefahren und die Österreicher, eine Australische Chinesin und ich sind mit Anselmo, Anselmo Junior und Raymundo erst Piranha fischen gegangen. Doch der Spaß hielt nur kurz denn es zogen tiefschwarze Wolken auf und wir kamen gerade rechtzeitig zu Joãos Haus bevor der Regen startete. Diesmal gab es nicht nur einen irre heftigen Regen sondern auch einen starken Wind, sodass sich sogar weiße Schuamwellen auf dem See bildeten. Anselmo war sehr besorgt, wie es den anderen Gruppen auf dem See erging, denn dieses Wetter ist mordsgefährlich. Mit den Booten hat man auf dem Wasser keine Chance. SO tranken wir wieder Kaffee und spielten Spiele mit Streichhölzern, die die Einheimischen und Fischer immer spielen. Die hatten riesig ihren Spaß und wir merkten, wie sie sich ihre langen Tage gut vertreiben konnten... Die Hausmutter machte uns ein leckeres Abendessen und danach fuhren wir noch mal mit dem Boot raus, denn die beiden wollten uns zeigen wie die Einheimischen mit Speeren fischen. Doch das Wasser war so aufgewühlt und trüb durch den Sturm, dass wir nichts sehen konnten. So sahen wir „nur“ Alligatoren und Spinnen, doch hatten eine lusitge Zeit denn die Australierin ist ein wenig verpeilt und Anselmo hat sie den ganzen Abend ein wenig auf den Arm genommen mit seinem trockenen Humor. Zurück im Haus gingen wir direkt ins Bett, wir mussten noch einiges an Schlaf aufholen. Wir hingen unsere sieben Hängematten in das Wohnzimmer und schliefen wie Ölsardinen nebeneinander. Bewegte sich einer, bewegten sich alle. So suchten wir unsere Schlafpositionen, die Einheimische Familie und unsere Guides schauten noch im Schlafzimmer Fernsehen, und schliefen sehr schnell ein. Einmal in der Nacht ist die Australierin an mich gestoßen und hat sich so erschrocken und wusste wahrscheinlich nicht, wo sie war, dass sie einen kurzen Schreckschrei losließ und eine halbe Minute später wurde ich von einer Faust auf meinen Oberarm geschlagen. Am nächsten Morgen erinnerte sie sich an nichts...

 

Wir wachten auf und fuhren mit Anselmo aufs Wasser zum Piranha fischen, doch fingen nichts. So kehrten wir zurück zum Haus und hatten sehr leckeres Frühstück, mit selbst gemachten Brötchen, Rühreiern und einer saftigen Ananas. Danach bedankten wir uns sehr herzlich und brachen auf unseren Rückweg auf. Wir hielten zum letzten Mal zum Piranha fischen und diesmal war das Glück nach langer Warterei und unzähligen weggegessenen Fleischstücken auf meiner Seite. Ich fischte 3 Piranhas nacheinander. Die anderen hatten wieder kein Glück. Zurück in der Lodge mussten wir packen. Der letzte Tag war schon gekommen und ich konnte nicht glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Nach dem Mittagessen hatten wir noch ein wenig Zeit und ich unterhielt mich mit den zwei anderen Tourguides (Lucivaldo und Robinho), die mit anderen Gruppen da waren, ich aber mittlerweile auch sehr gut kannte und anderen Touristen. Ich bekam ein Geschenk von Lucivaldo als „Liebesbeweis“. Ich sollte meine Hand öffnen und bekam einen winzigen Frosch!!!! Wir mussten so lachen, in Afrika bekommst du die Kamele geschenkt, hier im Regenwald Frösche. Dann flirtete er mit mir und meinte, vom ersten Moment kam ich ihm so bekannt vor, denn ich sei seine Frau im nächsten Leben! Wir hatten eine sehr lustige letzte Stunde und nachdem ich des öffteren auf diesem Trip nun gehört hatte, wie wunderschön ich sei und ob ich nicht da bleiben könnte, machten wir uns wieder mit dem Boot auf den Rückweg nach Manaus.

 

Dort angekommen verabschiedete ich mich von Anselmo und seinem Sohn, die ich sehr in mein Herz geschlossen habe und schaute mir noch das Opernhaus mit der Australierin an, tranken einen letzten Fruchtsaft und aßen ein Eis zusammen bevor ich mich noch Mal schlafen legte. Ein netter Fahrer fuhr mich und einen Engländer zum Flughafen, denn wir hatten den gleichen Nachtflug nach Brasília und Mittags am nächsten Tag kam ich müde, geschafft, mit lauter fantastischen Eindrücken und Erlebnissen in Curitiba an.

Es war ein atemberaubender Trip in den Amazonas und ich hatte eine wundervolle Zeit. Ich kann dieses nur jedem für die To Do Liste bei einer Brasilienreise raten.