Brasilianische O-Wochen

10April2013

O-Wochen.... das Highlight deutscher Studenten am Semesteranfang. Ob Erstsemester oder nicht, jeder freut sich auf die Feierwoche und neue Gesichter in den Studentenstädten. Sowas ähnliches läuft mir hier gerade auch täglich über dem Weg. Nur was sich in Deutschland eher im Nachtleben abspielt (außer die paar Infoveranstaltungen, Hochschulgruppenstände, Schnitzeljagd und was den Fachschaften so alles einfällt) geht hier bei Tageslicht zu. Und wie, die Studenten sind ganz bunt....

Ich muss beim Bildungssystem anfangen. Hier geht jeder auf eine Private Schule, der kann. Die, die es nicht bezahlen können oder nicht schaffen, gehen auf die staatlichen Schulen, die viel schlechter sind. Doch die Schule entscheidet über deinen weiteren Werdegang. Denn um in eine Universität zu kommen, muss hier jeder einen Aufnahmetest absolvieren. Die privaten Schulen breiten einen super auf diesen Test vor, die staatlichen nicht. Doch wer es im Studium schaffen will, braucht den Test. Und das kontroverse ist, dass bei den Universitäten die staatlichen die Topunis sind, und nicht die Privaten. Also geht wer kann zunächst auf eine private Schule und dann auf eine staatliche Uni. Das komische dabei ist, dass in beiden Fällen unglaubliche Kosten auf die Eltern zukommen. Entweder zunächst die Privatschule, oder dann die Privatuni. In der Privatschule wirst du mehr gefördert, während dir in der Privatuni bessere Noten gegeben werden, da du ja bezahlst. Den Profs ist dabei wohl relativ egal, wie gut du bist, sogut wie jeder besteht! 

Also, zurück zur O-Woche: Wer den Aufnahmetest für die staatliche Uni bestanden hat, ist außer Rand und Band. Und so werden auch sie in die Gemeinschaft der Universität aufgenommen. (Wie das in den Privatuniversitäten abläuft, weiss ich leider nicht... Die O-Wochen heißen hier "trote" und heißt die "calouros" willkommen. Normalerweise läuft das so ab: Die älteren Semester "veteranos" des Studiengangs stürmen die erste Stunde der Calouros und nehmen sie mit auf den Campus. Dort gibt es eine riesen Farb-Bomben-Schlacht. Alle sind über und über bunt, Farbe klebt in den Haaren, im Gesicht, auf den Klamotten. Wer nicht genug hat, bemalt sich noch extra und viele schreiben sich den Universitätsnamen und/oder Studiengang auf die Wangen. So bunt gehen die Studenten dann um Geld betteln, welches sie den Veteranos geben. Diese kaufen davon dann Bier (oder auch andere alkoholische Getränke) und dann wird gemeinsam getrunken und gefeiert. 

Aber dieses Ritual des "trote" ist hier sehr umstritten. Nicht jede Fakultät unterstützt die O-Woche, denn oft sind die auch sehr gewaltsam und es sterben sogar Studenten!!! Dies kann passieren, wenn die Veteranos mit den Calouros zusammen in eine Art Freiluft-Fitnessstudio/Park gehen und z.B. ein betrunkener Student ins Schwimmbad geworfen wird, mit dem Kopf blöd aufkommt.... Den Rest kann man sich ja denken. Meine Portugiesischlehrerin hat mir vorhin von einem anderen Fall erzählt. Eine Fachschaft hatte eine Statue gebaut, als Symbol des Studiengangs. Ein Erstsemestler hat diese (ausversehen) kaputt gemacht und wurde die ganze Nacht -aus Spaß natürlich- an eine Säule gefesselt und von den älteren Studenten geschlagen. Unglaublich, aber solche Sachen passieren hier auch.

Es kann aber auch ganz ruhig zugehen und es werden sportliche Events veranstaltet, man geht zu Blutspenden oder macht andere humanitäre Dinge. Das hat wiederum so gar nichts mit der deutschen Vorstellung der O-Wochen zu tun, ist aber eine tolle Sache, wie ich finde. Genauso gibt es aber auch Infoveranstaltungen der Lehrer wie bei uns oder ruhige Kennenlernveranstaltungen. Was ich sehr schön finde ist, dass jeder auch einen "Harry Potter" Umhang, wie bei den Amerikanern, bekommt. Damit identifiziert man sich mit seiner Fachschaft und geht sogar damit feiern.

Ich wünsche allen eine tolle Partywoche in den deutschen Studentenstädten :)