Die Protestwellen gehen weiter

23Juni2013

Seit ein paar Tagen sind die Proteste und Krawalle in Brasilien ja auch allgegenwärtig in den deutschen Nachrichten. Ich möchte mich erst mal ganz herzlich für all die besorgten Nachrichten bedanken und dass ihr an mich denkt. Mir geht es hier wirklich gut. Ich bekomme wenig mit von den Protesten, da ich mich auch von ihnen fernhalte. Man ist immer bestens informiert über den Zeitpunkt und Ort der Proteste, die ja mittlerweile täglich im ganzen Land geschehen. Selbst in der Uni werden schon Flyer ausgeteilt und die Leute zum mitmachen animiert. Natürlich ist es das Gesprächsthema Nummer eins, ich als Ausländerin werde auch immer wieder gefragt, was ich davon halte. Was soll ich sagen, ich mache nicht mit aber ich finde es gut, dass die Menschen für ihre Rechte kämpfen. In jeder Unterrichtsstunde wird mindestens 10 Minuten über die letzten oder bevorstehenden Demonstrationen geredet, manche werden sogar früher beendet, damit alle zu den Demonstrationen gehen können, auf der Straße liegen viele Schilder rum und letzte Woche habe ich sie zwei Mal deutlich miterlebt. Donnerstag Abend nach der Uni liefen vor mit eine ganze Menge Studenten, die zum Altbau der Uni gelaufen sind und sich dort mit anderen versammelt haben. Ich lief dahinter, mit ein wenig Abstand. Doch dass, was ich gesehen habe waren hoffnungsvolle, irgendwie fröhliche Menschen. Sie haben Gesungen, hatten Masken auf, Regenschirme in der Hand und haben "high five" mit den Polizisten/Sicherheitsleuten gemacht. Also alles andere als die Krawalle, die in den deutschen Nachrichten gezeigt werden. Freitag war ich dann beim Sport und auf einmal hieß es, sie müssen das Fitnessstudio schließen, weil die Demonstration auf der Hauptstraße davor entlang geht. So wurden die Lichter ausgemacht und die Türen verschlossen. So viele Menschen waren die Tage davor noch nicht auf der Straße. Wir haben aus den Fenstern geschaut, es wurden Fotos gemacht, die Leute haben immer wieder "Vem para rua", "Kommt auf die Straße" gerufen, hatten unzählige Plakate, Banner, Brasilienflaggen dabei und haben sich von dem fürchterlichem Regen nicht unterkriegen lassen. Alle hatten sich Plastiksäcke umgehängt, Regenschirme dabei gehabt.. Unglaublich. Eine halbe Stunde zogen die Massen an uns vorbei bis sie uns so gut wie passiert hatten. Aber in einer wirklich ausgelassenen Stimmung. Es versammeln sich alt und jung, rechts und links, und man spührt den Zusammenhalt und den Willensmut der Menschen. Natürlich stimmen auch die Bilder, die in den Nachrichten vorwiegend gezeigt werden. Plünderungen, brennende Autos, Auseinandersetzungen mit der Polizei. Doch diese spielen sich hauptsächlich in Sao Paulo und Rio den Janeiro ab, und dort wo der Confed Cup ausgetragen wird. Das sind meist kleine Gruppen die Gewalt anwenden, die werden auch von der Bevölkerung hier nicht gerne gesehen und unterstützt, doch klar passiert es immer wieder und es ist fürchterlich. In Curitiba ist es aber zum Glück noch nie so weit gekommen! Die Regierung bekommt es nicht in den Griff, auch wenn in Sao Paulo und Rio die Buspreiserhöhungen zurückgenommen worden sind, beruhigt es das Volk nicht. Klar, denn es geht längst nicht mehr um die 20 Centavos. Wie ich letztes Mal geschrieben habe, Korruption, schlechte Schul- und Krankensysteme, die teuren Großevents anstatt dessen, das Gesetzt zum Polizeistaat... Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis hier die Ruhe einkehrt und Dilma sollte schnell handeln.

Ein paar Bilder aus der letzten Woche bei Facebook, die ich ganz passend und schön fand:

 Aufruf in Curitba für den Protest am vergangenen Freitag

 "Die Jugend von 1968 helfen der Jugend von 2013"

 "Ein Brasilien für alle"

  Selbst Frankfurt hilft angeblich...

 und eine beliebte Fälschung: Stars mit einem Hilfsplakat wie hier Mark Zuckerberg

Das Lied der Proteste ist für viele: Don´t stop believing von Journey