Ein erster Erfolg

24Juni2013

Neben all den negativen Schlagzeilen über die Proteste erlebe ich hier durchaus weiterhin schöne Sachen. Wie meinen ersten Erfolg! Letzte Woche hatte ich meine erste Prüfung in Literaturwissenschaften. Da auf meinem Semesterplan steht, dass wir die erste Augustwoche ein Examen schreiben, und für das Datum letzte Woche eine Prüfung da stand, ging ich davon aus, dass es eine kleine Prüfung ist, die nicht viel zählt und eher zum Bilanzziehen für einen selber ist, wo man gerade steht. Und das Examen im August ist die richtige Abschlussklausur des Kurses. Pustekuchen. Hier läuft es komplett anders. Man schreibt zwei Prüfungen, die jeweils 100 % zählen, so wie die von letzter Woche. Ich war mehr als schockiert, denn ich hatte nicht wirklich viel gelernt. 10 Punkte ist das Maximum, was man erreichen kann. Mit 7 Punkten hat man direkt bestanden. Man muss also einen Durchschnitt von 7 Punkten aus den zwei Prüfungen haben und wenn man schlechter ist, kommt man in die Examswoche und darf eine dritte Prüfung schreiben, bei der man mindestens 5 Punkte haben muss. So kam ich also zur Prüfung und erfuhr, dass sie 100 % zählt. Ich war etwas nervös. Doch als ich die Klausur bekommen habe, fiel mir ein großer Stein vom Herzen. Es waren zwei Aufgaben zu einer Kurzgeschichte, die wir lesen mussten und nicht mit dem Lehrer analysiert haben. Wir mussten zwei Charaktere vergleichen und die Modernisierung Brasiliens an Hand einer weiteren Figur beschreiben. Hätte ich auf deutsch schreiben können, wäre ich in einer halben Stunde fertig gewesen. So brauchte ich ein wenig länger und hatte eher das Problem, dass mir Vokabular fehlte, um mich so auszudrücken, wie ich es gerne getan hätte. Recht zuversichtlich gab ich meine Klausur ab und meinte noch zum Lehrer, dass ich hoffe, er würde es verstehen. Da meinte er lachend, falls nicht, würde er nachfragen! Auf dem Weg aus dem Unigebäude redete ich mit einer Brasilianerin, die sich beschwerte, dass man so viel hätte nachdenken müssen bei der Prüfung. Da musste ich mir dann doch das Lachen verkneifen. Klar muss man das, besonders bei Literatur da jeder eine eigene Interpretation und Meinung hat und an einer Universität... So bekamen wir Donnerstag die Prüfung zurück und ich sah eine 8 auf meinem Blatt. Ich konnte es wirklich nicht fassen. Ich hatte so wenig dafür gemacht und bekomme eine wirklich gute Note! Da war ich doch ein wenig stolz...

Freitag, nachdem ich dass Fitnesstudio verlassen konnte und der Protest vorbeigezogen war, hat eine Freundin von mir aus dem Sprachkurs ihren Abschied gefeiert. Etwas undeutsch kam ich durch den Protest zu spät in die Bar und wir hatten einen wirklich netten interkulturellen Abend. Die meisten Freunde von uns sind leider nicht gekommen, dafür waren all ihre Mitbewohner da, die ich noch nicht kannte und zwei weitere deutsche Jungs. Es war sehr gemütlich und ich wurde gleich daraufhin für ein Churrasco am nächsten Tag eingeladen. So habe ich Samstag einen Salat vorbereitet und bin zu meiner Freundin Izabela in ihr Haus gegangen und sie und ihre Mitbewohner haben wirklich groß aufgetischt. Es war köstlich. Bei einem Wein haben wir uns noch das Fußballspiel Brasilien gegen Italien angeschaut und beschlossen, dass wir abends noch ausgehen wollten. So haben wir uns alle fertig gemacht und später wiedergetroffen, doch leider ist der Abend etwas anders verlaufen, als wir es uns erhofft hatten. In dem Sambaclub, in den wir gegangen sind, war nichts los sodass wir noch nach was anderem gesucht haben, aber irgendwie sollte es nicht sein. Sehr schade, denn Izabela war in ihrer Zeit nie beim Samba gewesen.

Diese Woche erging es mir irgendwie wie in einem Hotel Mama. Ich wurde ständig bekocht von meinen Mitbewohnern und ihren Eltern, mein Zimmer wurde geputzt, meine Wäsche gewaschen.... Also sehr angenehm, aber doch fühlte ich mich immer etwas unwohl, dass ich auf so viel eingeladen worden bin. Doch auch das ist eine kulturelle Erfahrung: Gastfreundschaft. Und nicht immer kleinkariert jeden Cent umdrehen, auch wenn man nicht sehr viel hat, wie es bei uns doch häufiger der Fall ist.