Festa Junina

27Juni2013

Brasilien ist ja bekannt für seine Feierei und Lebensfreude. Ein weiteres Fest findet diesen Monat und ab und zu auch noch im Juli statt. Die "Festa Junina". Dabei ehren die Brasilianer den Heiligen Johannes, ein katholisches Fest was ursprünglich mit dem Sommer-/Winteranfang verknüpft war (und edamit einem großen Feuer). Die Räume werden geschmückt mit typischen Girlanden, Leuchtbällen und Lampions. Die Menschen ziehen traditionelle, meist ländliche, Kleidung an, Strohhüte, Hemden, die Frauen bunte Kleider, malen sich Sommersprossen ins Gesicht und flechten ihre Haare zu langen Zöpfen. Es wird Volksmusik und Folkloremusik gespielt, gesungen, Forró und Quadrille getanzt, gegessen - hauptsächlich sehr sehr süße Sachen wie caramellisierte Mandeln, Popkorn, verschiedene Kuchen, Schokolanden - und Quentao getrunken, eine Art Glühwein. Gestern war Festa Junina in dem Fitnesstudio, in dem ich Sport mache und als ich durch die Tür gegangen bin hat mich der Gerucht sofort in weihnachtliche Stimmung versetzt. Glühweingeruch über all. Das war schon irgendwie komisch. Dazu die Verkleidungen und música sertanejo.... Für die Kinder werden Spiele organisiert, die an Kindergeburtstag bei uns erinnern: Sackhüpfen, Eierlauf, einen Apfel mit dem Mund aus einem Wassereimer heben, Pferdekutsche und vieles mehr. Zum Schluss bekommen sie dann noch große Süßigkeitentüten. Ein festes Datum für die festa junina gibt es nicht, wie früher der Sommeranfang, sodass man so gut wie jeden Tag auf so ein Fest gehen könnte. 

Gestern Abend, nach ein paar Quentao bei einem sehr netten Gespräch mit einer Brasilianerin, die bald nach Deutschland zum Auslandssemester geht und seit 6 Jahren deutsch lernt, bin ich mit Luana und ihrer neuen Mitbewohnerin, Thais, ausgegangen. Nachdem ich erst Mal zum zweiten Mal diese Woche im Fahrstuhl stecken geblieben bin und er weder auf ging noch gefahren ist, habe ich ein Taxi genommen, bei dem von der Gangschaltung über die Sitze alles gequietscht hat. Mein schon etwas älterer Taxifahrer meinte direkt, das "Wood´s" sei super-conhecido, also super-bekannt. So kam ich an und war schon am Eingang sehr überrascht über den Club. Zwei riesen Kronleuchter kührten den Eingang, die Eintrittsschlange war unendlich lang und die Leute alle schicker und aus besserem Elternhaus. Die Mädels zogen mich direkt auf die Toilette, da die das Beste vom Wood´s sein sollte. Ich habe meinen Augen nicht getraut. Sehr edel und sauber, alles schön und gut, aber es gab dazu noch eine persönliche Friseuse, die einem kostenlos die Haare so gerichtet hat, wie man wollte, und zwei Make-up Artists, die einen kostenlos geschminkt haben. Dem entsprechend war die Schlange vor den Damen auch gut lang; die Brasilianerinnen bemühen sich ja bekanntlich sehr um ihr Aussehen! Ich musste direkt ein Foto machen, das konnte ich wirklich nicht glauben.

Es war rappelvoll, man konnte sich kaum umdrehen geschweige denn wirklich gut tanzen. Der Ellebogen war immer in irgendeinem Rücken doch die Stimmung war umso ausgelassener. Es kam música sertaneja und mittlerweile kenne ich auch viele Lieder und kann ein paar Wörter der Refrains mitsingen. Die Band hat etwas auf sich warten lassen, danach aber eine sehr lusitge Show abgezogen. Ein Tänzer war zunächst als Frau verkleidet, dann als Pharrao und hat unfassbar wild getanzt. Da hatten wir also sehr unseren Spaß!

Morgen Abend bekommen wir Besuch zum Abendessen und ich werde deutschen Glühwein machen, nicht den so süßen Quentao. Beim Einkaufen heute, als ich Kardamom gesucht und nicht gefunden habe (die meisten wissen hier gar nicht, was das ist), hat mich eine ältere Frau angesprochen und gefragt, wie ich den Quentao mache. Als ich ihr mein Rezept erklärt habe, kam sie schnell darauf, dass ich keine Brasilianerin bin und hat mir ihre Kindheitsgeschichte mit deutschen Nachbarn erzählt. SO zog sich meine Einkaufstour ein wenig in die Länge...