Weltjugendtag Rio2013

30Juli2013

Die letzten zwei Wochen war Rio de Janeiro in einem absolutem Ausnahmezustand. Eine der meist besuchtesten Städte, doch so viele Besucher hatte es noch nie. Montag, den 15.07. bin ich nach Rio de Janeiro geflogen. An dem Tag begann der Weltjugendtag für alle Volontäre. Eine der mehr als 84 Tausend Volontäre (die mehrheit, mehr als 60 Tausend aus Brasilien). Am Flughafen sah man schon viele aktive Volontäre, die den neu angekommenen Tipps und Infos gaben, wie man am besten zur Kathedrale von Rio kommen kann, wo man sich sein Volontär-Kit abholen sollte. Dort sngekommen war ich schon überwältigt von der Anzahl der Volontäre aus der ganzen Welt. Ich stellte mich hinter in der Schlange der Internationalen Volotäre an und traf gleich ein irre nettes Mädchen aus Itlaien, mit der ich in der gleiche Unterkunft wohnen sollte und zusammen im Übersetzerteam arbeiten sollte. Nach mehr als drei Stunden warten, wurde verkündigt, dass es keine Kits mehr gab und die erst ab 18 Uhr wieder verfügbar seien. Doch um 18 Uhr verkündigten sie, dass wir alle morgen wieder kommen müssten, da nichts mehr reinkommt. So wurden Gruppen gebildet, die in die entsprechenden Unterkünfte zusammen fuhren.

Ich war in Botafogo, einem sehr guten, ruhigen und ungefährlichem Viertel in einem Kindergarten einer Gemeinde untergebracht. Dort schliefen wir in großen Räumen auf dem Steinboden. Der wurde mit Tape in gefühlte zwei qm aufgeteilt, in denen jeder einzelen unterkam. Die Waschbecken waren dementsprechend auch niedrig, was für mich nicht das große Problem war, wie für andere... Unsere Mütter/Väter Volontäre waren unglaublich herzlich und bemüht. Sie organisierten für uns Ausflüge, einen Happy Hours Abend mit Grillen und gemeinsamen Gesang, gaben uns Auskünfte, und waren wirklich immer für uns da. In meiner Unterkunft waren alle Übersetzer untergebracht, eine tolle Gruppe. WIr kamen aus allen Ländern der Welt, in denen die offiziellen Weltjugendtag-Sprachen gesprochen werden: Spanisch, Englisch, Deutsch, Italienisch, Französisch und Polnisch. Es waren wundervolle Menschen darunter, mit denen ich Freundschaften geknüpft habe.

Am nächsten Tag haben wir morgens dann zum Glück sehr schnell unser Kit bekommen. Dieses bestand aus 3 Volontär-t-shirts, einem Weltjugendtag-t-shirt, einem Liturgiebuch, Pilgerbuch, Stadtkarten und anderen Infos, einem offiziellen Weltjugendtag-Kreuz, einer Wasserflasche, einer Essens-und Transportkarte. Zudem erhielten wir noch unsere Identifikationskarten, mit denen wir uns an unseren Arbeitsplätzen identifizieren mussten. 

Die ersten Tage war es noch recht ruhig in Rio. Wir hatten generelle Einführungen und Trainings zu Sicherheit/Service/Erste Hilfe/Arbeit beim Weltjugendtag. Die Trainings fanden morgens stadt, sodass wir die Nachmittage immer frei hatten. Unser erstes Training war mit Konrad, dem deutschen Koordenator und des Übersetzerteams. Am nächsten Tag hatten wir dann eine Einführung des Media Centers, in dem wir gearbeitet haben. Dies befand sich am Forte de Copacabana. Besser hätte ich es nicht treffen können. Zwei riesen, moderne, mit high-tech ausgestattete Zelte, an dem besten Platz der Stadt. Zwischen den Copacabana und Ipanema Stränden gelegen. Am Tag darauf fand dann das spezielle Training der Übersetzer statt und unsere deutsche Gruppe ist dann noch zu einer Gruppenbesprechung an die Copacabana gegangen, bei einem Agua de Coco (Kokosnusswasser). Wir haben unsere Arbeitspläen bekommen, die sehr entspannt waren. Wir haben immer in zweier Gruppen in 5-Stunden Schichten gearbeitet. Morgens von 8-13 Uhr, von 13 bis 18 Uhr oder von 18 bis 22 Uhr. Jeder hatte dabei 4 freie Tage. Am Anfang war es sehr entspannt. WIr hatten als einzige kaum etwas zu tun. Die anderen Übersetzer der anderen Sprachen dagegen waren schon fleißig am übersetzen. Bei uns wurde es dann aber am Ende echt stressig, da wir für das Simultanübersetzer-Team die Texte übersetzt haben und am Ende noch die ganzen Texte der Abschlussveranstaltungen reinkamen. Da wurde dann auch mal eine Nachtschichte eingelegt... Die Arbeit hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Wir haben hauptsächlich Pressetexte übersetzt und waren so immer an der Quelle, was Neuigkeiten, Veränderungen oder Reden anging. Sehr spannend und auch meinen SPrachkenntnissen hat es sehr geholfen. Hier konnte ich auch sehen, was ich alles in den letzten 5 Monaten gelernt und mitgenommen habe!

Als dann der Weltjugendtag offiziell am Dienstag, 23.07. angefangen hat, wurde Rio von Pilgern, Touristen und Volontären besetzt. Überall, an jeder Ecke, hat man Gruppen aus allen Ländern der Welt gesehen. In den WJT-t-shirts, mit Flaggen, Musikinstrumenten, bunten Gesichtern. Eine unglaubliche Stimmung herrschte in der ganzen Stadt. Dienstag Abend wurde am Strand der Copacabana die Begrüßungsmesser der Pilger gefeiert. Auf dem Weg dorthin durfte ich mein erstes Intervie dem Servus TV geben. Ein sehr lustiger Moment. Georg, ein Deutscher mit dem Alex und ich sehr viel gemacht haben, und ich sind mit umgebundene Deutschlandflaggen zum Strand gegangen und wurden alle paar Meter nach einem Foto gefragt. Die Deutsche Flagge war wohl sehr beliebt. Und besonders wenn Alex und Georg dabei waren, zwei große, blonde Jungs... Der Strand war irre voll und eine schöne Messe wurde gehalten, bei Nieselregen und kalten Winden. Doch der Stimmung konnte dies nicht anhaben. Dort kam das erste mal diese gewisse Feeling auf, der Gemeinschaft, Freude, Freundschaft, Brüder- und Schwesterlichkeit. Donnerstag kam dann offiziell der Papst an. In einem offenen Papamobil kam er um 17 Uhr aus dem Forte de Copacabana und fuhr die lange Strandstraße entlang, hielt immer wieder an, küsste Kinder, stieg aus, segnete Menschen und lachte ununterbrochen. Geschenke wurden ihm entgegengeworden, es herrschte ununterbrochen Blitzlichtgewitter und er wurde mit Gesängen und Jubelrufen gefeiert wie ein wahrer Popstar. Soetwas habe ich noch nie erlebt und es hat mit jeden Tag wieder Gänsehaut gebracht. Abends hiet er dann die offizielle Begrüßungsmesse, an der ich leider Arbeiten konnte. Doch an Konzentration konnte nicht wirklich gedacht werden, da der Fernseher laut neben uns lief. So bekam ich wenigstens ein wenig von der Messe mit. Freitag Abend gab es erst eine Keuzweg, den ich auch nur halb durch die Arbeit mitbekommen habe und danach ein tolle Musik und Entertainment Programm. Da haben Georg, mit dem ich an dem Abend gearbeitet habe, und ich die anderen Deutschen gesucht und der Show noch zugeschaut, bis wir ein Abschiedessen zusammen gemacht haben.

Eigentlich sollten die Vigil am Samstag und der Abschlussgottesdienst am Sonntag in Guaratiba, auf dem Campus Fidei gehalten werden, doch da es am Anfang der Woche so viel geregnet hat, wurde sie an die Copacabana verlegt. Für mich war dies das Beste, was passieren konnte, denn da ich am Sonntag schon nach Curitiba zurückgeflogen bin, hätte ich so nicht dabei sein können. Denn Guaratiba liegt 13 km Fußweg von der letzten Metrostation entfernt. Zum GLück also wurde der Platz überschwemmt und matschig. Samstag haben wir uns aufgeteilt, einige sind unser Verpflegungskits abholen gegangen, zwei mutten Arbeiten und Alex und ich noch die offizielle Liturgie für die Simultanübersetzer übersetzen. Dies war eine kleine Herausforderung, da viele der offiziellen Teile nicht im Internet zu finden waren. Nachmittags sind wir dann als Gruppe aus Botafogo nach Copacabana gegangen (Nachbarvietel). Man hätte von der Kathedrale aus den offiziellen Pilgerweg von 9 km machen können, doch das haben wir uns erspart. Wir trafen auf unzählige Pilger, Gesänge und Flaggen. Mit unserem Essen und Schlafzeug bepackt sind wir den Massen gefolgt und was wir am Strand vorfanden, war unglaublich! Es gab schon so gut wie keinen Platz mehr am Strand. Die Gruppen haben den Sand in Vierecke abgesteckt, in denen sie schlafen wollten. Wir wurden vor dem dritt-letzen Bildschir, fündig. In einer riesen Gruppe von Italienern aben wir uns niedergelassen. Dort war zwischen deren Zelten und Planen noch Sand zu sehen, den wir uns geschnappt haben. So haben wir uns länglich verbreitet und unser Zeug ausgepackt. Da immer zwei von uns noch arbeiten mussten, waren wir auch eine recht kleine Gruppe. Doch glücklicherweise waren die Italiener so gut wie nie da und haben dann auch die Nacht in ihren Zelten verbracht, sodass wir mehr Platz hatten.

Die Vigil war wundervoll. Der Past Franziskus hat eine sehr bewegende Rede gehalten über den Campus des Glaubens und die Herzen aller getroffen. Danach wurde wieder ein buntes, langes Programm aus Tanz, Gesang und einem Flashmob mit den Bischöfen gehalten. Der Strand war einfach nur voll. Überall Menschen, Flaggen aus den 175 teilnehmenden Ländern, viele gemeinsame Fotos, immer wieder kamen Leute, die Mitbringsel aus ihren Ländern tauschen wollten. Nacht haben wir noch zusammen bei einem Wein gesessen und über die letzten zwei fantastischen Wochen gesprochen und sind gegen 2 Uhr schlafen gegangen. Doch wirklich gut konnte keiner schlafen. Es war sehr kalt, der Sand von unten besonders, doch das Bild der Schlafenden ist unbeschreibbar. Wie in einem Flüchtlingslager lagen die Menschen Seite an Seite. Wegen des Platzes und der Kälte. Um 7 Uhr wurden wir dann wieder von der offiziellen WJT-Hymne (http://www.youtube.com/watch?v=2lOYCb6ticE) geweckt und fanden das Toiletten Problem vor. Zunächst liefen wir um riesen Gruppen die auf der Straße schliefen und die paar Dixiklos waren natürlich nicht genug für 2-3 Millionen Menschen. Doch die Hotels waren sehr großzügig und leißen die Leute rein. Um 9 Uhr kam dann wieder der Papst am Forte de Copacaban an, nachdem er die Christusstatue umflogen und gesegnet hat. Eine Stunde später fing dann die Abschlussmesse an. Eine wunderschöne Atmosphäre mit viel geklatsche, gefeier und Gesängen begleitete sie. Es wurden schöne Lieder gesungen, der Papst hat seine letzte Rede gehalten und zum Schluss die Stadt/das Land des nächsten Weltjugendtags verkündet. Krakau/Polen 2016!!!! Die Menschen haben gejubelt, die Polen gefeiert. Ein tolles Spektakel. So endete der WJT Rio2013 und es kam mir vor, als hätte er gerade erst angefangen. Die Atmosphäre dort ist unbeschreibbar. Ein tolles Erlebnis das eigentlich nicht in Worte zu fassen ist. Wenn ihr Bilder in Zeitungen, dem Internet oder Fernseher gesehen habt, könnt ihr meine Worte vielleicht nachvollziehen. Mit 3,2 Millionen Menschen war es der größte Weltjugendtag seit Beginn vor 29 Jahren und uns kam es vor, als seine wir auf einem Festival!

An den Tagen hatten wir aber auch viel Freizeit, die wir hauptsächlich an den Stränden der Copacabana oder Ipanema verbracht haben. Es fand auch ein großes Programm "atos culturais" statt, indem verschiedene Sachen wie Konzerte, Theater, Kinofilem, Museumsbesuche, Diskussionen veranstaltet wurden. So bin ich einen Tag mit Kathrin, einer anderen deutschen Übersetzerin zu der Veranstaltung "International Youthhearing", dass von adveniat, misereor und dem BDKJ veranstaltet wurde, gegangen. Dort wurde in vier Themenböcken mit Pfarrern, brasilianischen und deutschen Jugendlichen, dem Bischof Wiesemann, Vorsitzender der Jugendkommission, und der Umweltministerin Brasiliens, Marina Silva, über die Tehmen Gewalt und Frieden; Bildung, Ausbilung und Arbeit; Kirche und Gesellschaft; und Nachhaltigkeit und Ökologie disskutiert. Zwischendrin gabe es immer wider Aufführungen von Jugendgruppen wie dem Straßenkinderzirkus Rio und Sambagruppen. An einem anderen Tag sind Alex und ich mit zwei Brasilianern, die auch freiwilig in unserer Gemeinde gearbeitet haben zu einem Konzert in einer Favela im Norden Rios gegangen. Dieses lag neben der berühmten Favela Alemão und wurde von einer berühmten katholischen Gruppe, dessen Sänger ein Freund der beiden ist, gehalten. Leider war dies nicht so gut besucht, da es so weit ausserhalt lag, es regnete und am gleichen Tag wie die Begrü0ungsmesse mit dem Papst war. Wir hatten aber unseren Spaß und sind anschließend noch in eine wunederschöne Kirche auf dem Berg gegangen, die man oft noch von weit weg sieht.

Ich hatte eine wundervolle Zeit in Rio, mit neuen Erfahrungen, Freundschaften und Einblicken in das Leben der Menschen. Eine Erfahrung, die ich nicht missen wollen würde und sehr bewegend war.